Die Haferkakao-Fabrik in Bettenhausen ist wegen hoher Sanierungskosten nicht zu retten

Haferkakaofabrik: Abriss nicht zu vermeiden

Sollen abgerissen werden: Die Gebäude der Haferkakao-Fabrik an der Sandershäuser Straße 77-83. Nur das hohe Ziegelgebäude amrechten Ende der denkmalgeschützten Häuserzeile ist nicht vom Hausschwamm befallen und bleibt erhalten. Archivfoto: Fischer (nh)

Bettenhausen. Die heftig kritisierte Abrissgenehmigung für einen großen Teil der denkmalgeschützten Haferkakao-Fabrik war nicht zu vermeiden. Einen Prozess vor dem Verwaltungsgericht hätte die Stadt verloren, sagt Heinz Spangenberg, Leiter des städtischen Amtes für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz. 

Die Stadt musste den Abriss genehmigen. „Wir können nicht bewusst ins Prozessrisiko gehen, weil das die Stadt sehr viel Geld kosten würde“, erklärt Spangenberg.

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Ein Fachgutachter habe allein die Sanierungskosten für das vom Hausschwamm befallene Industriedenkmal an der Sandershäuser Straße in Bettenhausen auf 4,6 Millionen Euro geschätzt. Das sei für die Eigentümerin, die Raiffeisen-Warenzentrale Kurhessen-Thüringen, wirtschaftlich unzumutbar gewesen. Damit würde sie auch vor Gericht recht bekommen und könnte den Abriss durchsetzen.

Die städtische Denkmalschutzbehörde hatte versucht, einen Investor zu finden, sei aber daran ebenso wie Raiffeisen bei der Suche nach einem Käufer für die Immobilie gescheitert. Die in den Jahren 1897 bis 1899 erbaute und 1954 aufgegebene Fabrik komplett zu sanieren und wieder nutzbar zu machen, hätte 12,3 Millionen Euro gekostet. Geld für einen notwendigen Zuschuss von sechs Millionen Euro aus Denkmalmitteln, um die wirtschaftliche Zumutbarkeit zu erreichen, hätten weder Land Hessen noch Stadt Kassel gehabt. Und auch mit diesem Zuschuss wäre mit einem jährlichen Verlust von über einer halben Million Euro aus der Vermietung der Gebäude zu rechnen gewesen.

Reparatur im Jahr 2000

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Bereits in den 90er-Jahren habe es heftige Diskussionen zwischen Denkmalschutz und Raiffeisen um den Erhalt der Haferkakao-Fabrik gegeben. 1999 wurden Schäden am Dach festgestellt, 2000 verfügte die Denkmalbehörde die Reparatur und drohte eine Ersatzvornahme an. Daraufhin ließ Raiffeisen das Dach 2001 für annähernd 70 000 Euro instand setzen, berichtet Denkmalschützer Heinz Kefenbaum. In den folgenden Jahren scheiterte auch die weitere Suche nach einer neuen Nutzung für die historischen Gebäude.

2008 kündigte Raiffeisen wegen massiver Schäden durch Echten Hausschwamm den Abrissantrag an. „Wir haben zunächst nicht geglaubt, dass es so schlimm ist“, sagt Kefenbaum. Deshalb musste Raiffeisen ein 100 000 Euro teures Gutachten vorlegen. Auch der Denkmalbeirat nahm die Schäden in Augenschein. Danach war klar: „Der ganze Bau ist nur noch Sondermüll“, erklärt Kefenbaum. Wegen der unzumutbar hohen Kosten „mussten wir Ja sagen zum Abriss“. Nicht betroffen von Hausschwamm und Abriss ist der ehemalige Speicher. Das höchste Gebäude in der Fabrikzeile soll auf jeden Fall erhalten werden.

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