Anwalt Christopher Posch vertrat Opfer

Rächer geht ins Gefängnis: 18 Monate Haft für brutalen Schläger

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Auf dem Weg in den Gerichtssaal: Fahrudin Rifatovic (links), der im Februar dieses Jahres in der Herwig-Blankertz-Schule in Hofgeismar Opfer eines brutalen Schlägers geworden war, mit seinem Rechtsanwalt Christopher Posch.

Kassel. 18 Monate Gefängnis lautet das Urteil gegen einen 24-jährigen Mann aus Kassel, der im Februar dieses Jahres einen ebenfalls aus Kassel stammenden Schüler der Herwig-Blankertz-Schule in Hofgeismar auf dem Schulflur krankenhausreif geschlagen hatte.

Es war ein völlig belangloser Streit um einen Sitzplatz in der Regiotram 3 von Kassel nach Hofgeismar. Die kleine Auseinandersetzung zwischen Schülern der Herwig-Blankertz-Schule führte wenig später zu einer Gewaltorgie, wie sie die berufliche Schule und die Region noch nicht erlebt hatten.

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Vor den Augen zahlreicher Mitschüler schlug am 12. Februar dieses Jahres ein heute 24-jähriger Kasseler den Schüler Fahrudin Rifatovic krankenhausreif. Der ging zu jener Zeit wegen einer Sportverletzung an zwei Krücken und hatte gegen den Racheengel, der über ihn herfiel, weil seine Freundin angeblich in der Regiotram beleidigt worden war, nicht die geringste Chance. Das völlig arg- und wehrlose Opfer erlitt eine Gehirnerschütterung, Prellungen an Schädel sowie Rippen und litt monatelang unter Angst vor seinem Peiniger. Der musste sich am Mittwoch zusammen mit seiner 19-jährigen Freundin vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten.

Zwar hatten beide Angeklagte Geständnisse angekündigt, die aber nur bruchstückhaft waren. So mussten neun Stunden verhandelt und zahlreiche Zeugen gehört werden, bevor Richter Hering das Urteil verkündete. Der 24-Jährige soll 18 Monate ins Gefängnis, seine 19-jährige Freundin, die nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde, soll zwei Wochen Dauerarrest verbüßen und 500 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die junge Frau, die inzwischen von der Schule verwiesen wurde, ihren Lebensgefährten zu dem Gewaltakt angestiftet hatte. Das sei „ganz nahe dran an der Mittäterschaft gewesen“, sagte Richter Hering. Die junge Frau habe nach dem Racheakt versucht, Spuren zu verwischen und Zeugen eingeschüchtert. Und sie habe ohne Anlass ihren Freund „richtig reingeritten“, der jetzt ins Gefängnis muss. Wegen eines langen Vorstrafenregisters schied für den drogenabhängigen Arbeitslosen eine Bewährungsstrafe aus.

Die harten Fausthiebe gegen das wehrlose Opfer und die Tritte gegen Kopf und Körper, als der junge Mann benommen am Boden lag, wertete das Gericht als gefährliche Körperverletzung. Deren Folgen hätten noch schlimmer ausgehen können, wenn sich nicht eine 20-jährige Mitschülerin ein Herz gefasst hätte und dazwischengegangen wäre. Viele andere Zeugen, die wohl unter Schock standen, hatten nicht eingegriffen, als ihr Mitschüler misshandelt wurde. „Es war entsetzlich, das mit ansehen zu müssen“, sagte eine 17-jährige Zeugin. „So eine Gewalt habe ich noch nie vorher gesehen“, gab eine weitere Mitschülerin zu Protokoll.

Fotos: Anwalt Christopher Posch vertrat Opfer

Schläger verurteilt: Anwalt Christopher Posch vertrat Opfer

Der Angriff „ist das Feigste, was man sich vorstellen kann“, sagte Rechtsanwalt Christopher Posch, der das Opfer in der Nebenklage vertrat. RTL will im November über den Fall berichten. Fahrudin Rifatovic hat seine Angst mithilfe einer Therapie überwunden, den Hauptschulabschluss geschafft und blickt nach vorn: Er beginnt eine Ausbildung zum Altenpfleger.

Von Jörg Steinbach

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