Landgericht: Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit in großem Umfang

Haft für illegales Geschäftsmodell

Kassel. Mit der Sanierung von Maschinen, die bei Bränden verunreinigt wurden, lässt sich nicht nur gutes Geld verdienen, in dieser Branche werden offenbar auch Millionen an Steuern hinterzogen und Schwarzarbeit scheint gang und gäbe zu sein. So jedenfalls hatte es einer der beiden Angeklagten gebeichtet, die sich seit September 2013 vor dem Landgericht verantworten mussten. Nachdem ein Verfahren bereits abgetrennt worden war, ist am Montag auch das Urteil gegen den zweiten Angeklagten gesprochen worden: Drei Jahre und zwei Monate lautete das Urteil.

Die 3. Strafkammer des Landgerichts sah es am Ende als erwiesen an, dass der 36-Jährige in einer Einzelfirma und beide Angeklagte später in einem gemeinsamen Unternehmen zwischen 2003 und 2009 einen Schaden von rund 1,5 Millionen Euro angerichtete haben, indem sie einerseits Umsätze nur teilweise dem Finanzamt gemeldet haben und andererseits Schwarzarbeiter en gros beschäftigt haben.

Der 37-jährige Angeklagte, der nur ein Jahr ältere Onkel des 36-Jährigen, hatte vor einigen Monaten bereits alles gestanden. Das Verfahren gegen ihn war daraufhin abgetrennt worden, er hatte eine Strafe von drei Jahren kassiert. Sein Kompagnon hingegen versuchte bis zum Ende, sich als Mitläufer darzustellen, er habe, so beteuerte er, seinem Onkel blind vertraut und mit der Buchführung gar nichts am Hut gehabt. Er habe, so seine Version, stets auf den Baustellen gearbeitet, wo ihm lediglich eine Handkasse zur Verfügung gestanden habe, aus der er die Arbeiter bezahlt habe.

Das Gericht sah es nach der Vernehmung diverser Zeugen sowie der Einsichtnahme in Kontoauszüge der Firma und der Angeklagten anders. Der 36-Jährige habe zwar das System nicht buchhalterisch aufrechterhalten, da habe eindeutig der Onkel das Übergewicht gehabt. Doch der Neffe „wusste, worum es geht“, so Vorsitzender Richter Wolf Winter am Montag.

Nicht nur Vasall

Zeugen hätten bestätigt, dass er nicht nur der Vasall des Onkels, sondern aktiver Teil in dem System war. Das Geschäftsmodell der Schwarzarbeit sei ihm durchaus vertraut gewesen. Auf vielen Baustellen seien zudem deutlich mehr Arbeiter aufgeschrieben worden, als dort in der Realität beschäftigt gewesen seien, 90 Prozent der Beschäftigten seien in den Baustellenrapporten gar nicht zuzuordnen gewesen, so Winter. (pas)

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