Illegale Geschäfte mit Zigaretten: Amtsgericht verurteilte 40-Jährige zu Freiheitsstrafe

Haft für Kippenschmuggel

Kassel. In diesem Prozess vor dem Amtsgericht flossen am Mittwoch viele Tränen. „Ich habe es nicht getan, weil ich in Luxus leben wollte“, beteuerte die Angeklagte weinend. Richter Klaus Döll nahm der 40-Jährigen zwar ab, „dass die Tränen echt waren“ und sie durchaus Reue zeigte, doch sie habe sich mit Zigarettenschmuggel den Traum von einem besseren Leben erfüllen wollen. Deshalb kassierte die Mutter einer Tochter eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten.

3000 Stangen

Sie hatte zuvor gestanden, dass sie zwischen Dezember vergangenen Jahres und Februar dieses Jahres bei sechs Fahrten über 3000 Stangen Zigaretten, hauptsächlich aus ukrainischer und weißrussischer Produktion, aus ihrem Heimatland Polen nach Deutschland geschmuggelt hatte.

Sie zahlte ihren Lieferanten 15 Euro pro Stange, von ihrer Abnehmerin in Deutschland bekam sie 17 Euro, ihr Gewinn belief sich also auf gerade mal zwei Euro. Da sie pro Fahrt im Durchschnitt etwa 500 Stangen lieferte, summierten sich die Einnahmen dann doch - und damit auch die Tabaksteuer, die dem deutschen Fiskus durch die illegalen Geschäfte verloren ging: rund 90 000 Euro.

Mit dem Schmuggel, so begründete die 40-Jährige, habe sie die Existenz ihrer Familie sichern helfen wollen. Gemeinsam mit ihrem Mann habe sie in Polen eine Pferdezucht aufgebaut, und für den dringend nötigen neuen Stall standen EU-Fördergelder in Aussicht, allerdings unter der Bedingung, dass die Bauherren einen Eigenanteil von rund 10 000 Euro einbringen. Die Banken hätten einen Kredit verweigert, und „ich sah keine andere Möglichkeit, schnell so viel Geld zu verdienen.“

Deshalb gab sie sich dem „Volkssport“, wie Richter Döll den Zigarettenschmuggel nannte, hin. Mehrmals ging es gut, im Februar dieses Jahres wurde sie dann festgenommen. Die Ermittler hatten unter anderem ihre Telefongespräche abgehört. Es war nicht das erste Mal, dass sie sich wegen solcher Geschäfte verantworten musste. Noch im Oktober vergangenen Jahres, also kurz vor den jetzt angeklagten Taten, hatte sie einen Strafbefehl kassiert. Und auch ihr Mann ist wegen Zigarettenschmuggels mehrfach vorbestraft. Er habe zwar von ihren Fahrten gewusst, beteuerte die Angeklagte, doch er habe nichts damit zu tun.

Sie selbst sei „von dieser Dummheit geheilt“, deshalb bat sie mehrmals unter Tränen um „eine Chance“. Doch Richter Döll attestierte ihr mit Blick auf die Vorstrafen eine arge „Bedenkenlosigkeit“, er sah deshalb keinen Grund, die Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten zur Bewährung auszusetzen. (pas )

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