50-Jähriger hatte Verein gegründet, um Handys und Tablets kaufen zu können

Haft für kreativen Betrüger

Kassel. Eines musste das Gericht dem 50-jährigen Angeklagten zugute halten: Er hat eine gewisse Kreativität an den Tag gelegt. Denn er hatte einen Verein gegründet, dem er den Namen „Akuthilfe bei drohendem Burnout“ gab. Und für diesen Verein kaufte er dann in einem Kasseler Laden mehrmals Handys und Tablet-Computer, die er nicht bezahlte, sondern weiterverkaufte. Wegen Betrug und Urkundenfälschung saß er am Donnerstag auf der Anklagebank des Amtsgerichts.

21 überwiegend einschlägige Taten stehen im Vorstrafenregister des 50-Jährigen. Anfang 2012 war er mal wieder aus der Haft entlassen worden, schon kurz darauf entstand der Plan mit dem fiktiven Verein. Er habe, sagte der 50-Jährige am Donnerstag vor Gericht, einen Teil der damaligen Strafe im offenen Vollzug verbüßt und da auch gearbeitet. Diesen Job habe er wegen diverser Schwierigkeiten gekündigt, so dass es eine Sperre beim Arbeitslosengeld gab. Nach der Entlassung habe er ohne Einkünfte dagestanden, „so entstand die Idee“. Gemeinsam mit zwei Kumpels aus der Haft setzte er den Plan dann auch um.

Die Vereinsgründung habe einzig und allein dazu gedient, um Mobilfunk- und Internetverträge abzuschließen, gestand der Angeklagte. Mehrmals tauchte er in dem Kasseler Handy-Shop auf und schloss dann solche Verträge ab. Die Geräte, die er daraufhin bekam, verkaufte er für 400 Euro in einem Internetshop weiter. Er gab am Donnerstag außerdem zu, dass er auf seinem Computer einen Personalausweis hergestellt hat, der dazu diente, ein Konto zu eröffnen. Außerdem wollte er den Ausweis dazu benutzen, zwei weitere Verträge in dem Laden abzuschließen, doch das ging schief, denn die Sache flog auf.

Der Schaden, der durch die nie bezahlten Geräte entstand, beläuft sich auf rund 6 000 Euro, ein weiterer Schaden entstand dadurch, dass er die Karten aus den Handys an einen Bekannten weitergab, der sie wiederum an andere Interessenten verhökerte, die damit telefonierten. So häuften sich Gebühren von um die 10 000 Euro an.

„Ich will nichts beschönigen“, räumte der Angeklagte ein. Doch er beteuerte, dass sein Leben just im Jahre 2012 eine entscheidende Wendung genommen habe, denn seitdem gebe es eine Lebensgefährtin, bei der er „wieder Halt gefunden“ habe. Gemeinsam würden die beiden mehrere Hotels betreiben und vollkommen legal ihren Lebensunterhalt verdienen. Außerdem habe er begonnen, den Schaden, der durch seine jüngsten Betrügereien entstanden war, wiedergutzumachen.

Doch er kommt um eine erneute Haftstrafe nicht herum, das Gericht verurteilte ihn zu dreieinhalb Jahren. Mit Blick auf seine zahlreichen einschlägigen Vorstrafen und seine hohe Rückfallgeschwindigkeit, so hieß es in der Begründung, sei es vollkommen unmöglich gewesen, ihn mit einer Bewährungsstrafe davonkommen zu lassen. (pas)

Von Ralf Pasch

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