Drogensucht finanziert: Drei Jahre Haft für Schrottdiebstahl

Kassel. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Kasseler Firma Senior Berghöfer hat zwischen 2007 und 2009 in hundert Fällen Schrott beiseitegeschafft und damit unter anderem Drogen finanziert. Davon war jedenfalls Richterin Manuela Focke nach mehreren Verhandlungstagen überzeugt.

Das Amtsgericht verurteilte den Vater zweier Kinder zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren, außerdem muss er den bei seinem ehemaligen Arbeitgeber entstandenen Schaden von rund 83 000 Euro zahlen.

Von den hundert Fällen, die das Gericht als erwiesen ansieht, gestand der ehemalige Gabelstaplerfahrer einen einzigen, den letzten, ein. Da hatten Kollegen mitbekommen, dass etwas faul war. Sie entdeckten an diesem Tag wertvolle Messingabfälle aus dem Unternehmen bei einem Kasseler Schrotthändler, der keine Geschäftsbeziehungen zu dem Betrieb hat.

Vor Gericht sagte der Angeklagte, dass er lediglich dieses eine Mal Schrott seines Arbeitgebers verschoben habe, in den anderen Fällen habe er auf eigene Rechnung Metall auf dem Betriebsgelände angenommen und dann weiterverkauft. Sein Lieferant sei ein Türke gewesen, der das Material in einem roten Lkw angeliefert habe. Der soll Mustafa geheißen haben, eine Adresse oder Telefonnummer konnte der Angeklagte nicht angeben, auch das Kennzeichen des Lkw kannte er nach eigenen Angaben nicht. Diese Aussage führte zu umfangreichen Ermittlungen, so musste sich ein Polizeibeamter durch die Listen mit den Lkw wühlen, die im angeklagten Zeitraum auf das Werksgelände gefahren waren. Darunter befanden sich, wie der Beamte als Zeuge sagte, zwar auch rote Lkw, doch keine der Speditionsfirmen, die diese Fahrzeuge unterhielten, hatte einen Fahrer mit dem vom Angeklagten angegebenen Namen beschäftigt.

Finanzierung von Drogen

Die Einnahmen aus dem Schrotthandel, so gab der 45-Jährige an, habe er zur Finanzierung seiner Drogensucht gebraucht, die hat ihm bereits eine Geldstrafe eingebracht. Kurz vor dem Schrottdiebstahl bei Senior Berghöfer, der dann aufgeflogen war, habe ihn sein Dealer bedrängt, seine Schulden zu bezahlen. In den übrigen 99 Fällen, die ihm die Staatsanwaltschaft vorwarf, sei er jedoch unschuldig. „Ich kann nicht etwas gestehen, was ich nicht getan habe“, sagte er am Freitag.

Doch Richterin Focke war am Ende der äußerst umfangreichen Beweisaufnahme „überzeugt“ davon, dass der 45-Jährige alle angeklagten Fälle des gewerbsmäßigen Diebstahls begangen hat, und dass es den ominösen Mustafa nicht gibt. Allerdings sei es ihm in seiner Firma „leicht gemacht worden“, denn er habe durch seinen Job ständig Zugriff auf den Schrott gehabt, und lange Zeit sei dem Unternehmen gar nicht aufgefallen, dass etwas abhandengekommen war. Gleichwohl hielt die Richterin das von der Verteidigung geforderte eine Jahr auf Bewährung als Strafe für zu gering und folgte mit Blick auf den hohen Schaden dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Von Ralf Pasch

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