43-Jähriger will Therapie machen

Haft für Schwarzfahrer - Verteidiger legt Berufung ein

Kassel. Schneller als ursprünglich vorgesehen ist am Kasseler Amtsgericht der Prozess gegen einen notorischen Schwarzfahrer zu Ende gegangen.

Der 43-jährige Kasseler wurde am Donnerstag zu einer Gesamtstrafe von eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht hatte ihn des Erschleichens von Leistungen in 94 Fällen für schuldig befunden - damit sind die Fahrten ohne Fahrschein gemeint. Schuldig gesprochen wurde er zudem wegen dreier Diebstähle geringwertiger Sachen, eines versuchten Diebstahls sowie eines Falls von vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. „Ich habe bereits Berufung eingelegt“, sagte Verteidiger Marcus Mauermann gestern. Sein Mandant hatte am Donnerstag angekündigt, sich am nächsten Tag in eine Alkoholentgiftung und dann in Therapie begeben zu wollen. Hält er das durch, könnte ein Berufungsgericht auf eine Bewährungsstrafe befinden, hofft der Anwalt.

Ein psychiatrischer Sachverständiger habe dem 43-jährigen Kasseler eine chronische Alkoholabhängigkeit sowie eine leichte geistige Behinderung attestiert, so Mauermann. Der Arzt sei zu dem Schluss gekommen, dass eine verminderte Schuldfähigkeit bei allen angeklagten Delikten nicht auszuschließen sei.

Ursprünglich vorgeworfen worden waren dem Kasseler 129 Fahrten ohne Fahrschein. Zu 35 davon hatte das Gericht das Verfahren schließlich eingestellt. Der zeitweise wohnungslose Trinker hatte mit der Deutschen Bahn das gesamte Bundesgebiet durchrollt. An Weihnachten 2011 sei er sogar ganz kurz in Prag gewesen, entsann er sich am zweiten Prozesstag, als das Gericht gerade eine Schaffnerin vernahm, die ihn im Zug nach Dresden kontrolliert hatte.

An das Gros der Fahrten hatte der 43-Jährige jedoch keine konkreten Erinnerungen mehr gehabt. Um die Taten belegen zu können, hatte das Amtsgericht deshalb über 100 Schaffner als Zeugen vernommen.

Nur zwei von ihnen sei der Kasseler zweimal ohne Fahrschein begegnet, berichtet Oberamtsanwalt Werner Eisenberg. „Er ist ja nicht der Einzige, der schwarzfährt“, sagt er über den Fall. Die Menge der Fahrten ohne Ticket aber sei „schon außergewöhnlich“.

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