Blutige Schneeballschlacht: Zweieinhalb Jahre für 28-Jährigen

Haft statt Bewährung

Kassel. Sowohl die Berufung der Staatsanwaltschaft auch die des Angeklagten wurde verworfen, doch der 28-Jährige auf der Anklagebank kam mit einer etwas milderen Strafe als vor dem Amtsgericht davon.

Zweieinhalb statt drei Jahre lautete am Montag das Urteil der 7. Strafkammer des Landgerichts. Das Gericht hielt dem Angeklagten zugute, dass das Verfahren in der ersten Instanz übermäßig lange gedauert hat.

Der Prozess dreht sich um das blutige Ende einer Schneeballschlacht im Dezember 2010. Damals hatte sich der Angeklagte, der eine Shisha-Bar betrieb, nach Feierabend eine Schneeballschlacht mit Gästen geliefert. Ein Ball traf zufällig ein vorbeifahrendes Auto. Der Fahrer hielt an und kehrte um. Danach kam es zu einer Auseinandersetzung, zu deren Verlauf es zwei Versionen gibt. Der Angeklagte gab an, die drei Insassen des Wagens hätten einen Schlagring und einen Baseballschläger gezückt und seien auf ihn losgegangen. Die Insassen des Wagens hingegen sagten, der Angeklagte habe aus seiner Bar ein Messer geholt und auf zwei Männer eingestochen. Der 28-Jährige gab zwar zu, während der Auseinandersetzung in die Bar gegangen zu sein, doch lediglich, um sein Handy zu holen und damit die Polizei zu verständigen.

Er und zwei der Männer aus dem Auto landeten im Krankenhaus. Während der 28-Jährige mit ein paar Schürfwunden davonkam, trug einer der Männer eine Stichwunde im Bauch davon, der andere eine Verletzung am Oberschenkel.

Das Landgericht hielt es nicht für glaubwürdig, dass eine Schneeballschlacht derart eskaliert, dass ein Schlagring und ein Baseballschläger zum Einsatz kommen.

Deshalb folgte es den Aussagen der Männer aus dem Auto. Das Gericht war am Ende überzeugt davon, dass der 28-Jährige auf zwei der Männer eingestochen hatte. Gleichwohl gestand die Kammer zu, dass die drei ebenfalls „nicht von schlechten Eltern sind“, da sie sich auf die Auseinandersetzung eingelassen hätten.

Bei dem 28-Jährigen sei - auch mit Blick auf sein Vorstrafenregister - ein gewisses „Muster“ zu erkennen: Eine gewisse Brutalität sei unverkennbar. Das habe auch die zweite Tat gezeigt, um die es in diesem Verfahren ging. Da hat der Angeklagte, wie am Ende der Beweisaufnahme feststand, als Diskotürsteher einen angetrunkenen Gast mit einem Teleskopschlagstock verletzt.

Mit einer Bewährungsstrafe wäre der Angeklagte nur dann davongekommen, wenn er ein Geständnis geliefert und Schmerzensgeld an die Verletzten gezahlt hätte, so das Gericht. Der 28-Jährige hatte jedoch lediglich einen Tag vor Beginn der Verhandlung vor dem Landgericht 500 Euro an einen der Betroffenen gezahlt, gleichzeitig aber seine Unschuld beteuert. Ihm bleibt jetzt nur noch der Weg, in Revision zu gehen.

Von Ralf Pasch

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