Kassel: Sieben Jahre Haft für Vergewaltigung einer 15-Jährigen

Kassel „Ich weiß nicht, was im Kopf meines Sohnes vorgeht“, gestand die Mutter des 21-jährigen Angeklagten, ihr sei unerklärlich, was im Januar dieses Jahres passiert war. Da hatte der junge Mann eine 15-Jährige mit einem Messer bedroht, vergewaltigt und fast erwürgt.

Er hatte das bereits nach seiner Festnahme gestanden, auch vor Gericht räumte er die Vorwürfe am Donnerstag ein. Die 6. Strafkammer des Landgerichts verurteilte ihn deshalb zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren.

Die Mutter des 21-Jährigen war sichtlich ratlos und betroffen. Ihr Sohn sei ein Einzelgänger gewesen, erzählte sie. Dann habe er miterlebt, wie sein Vater zu einem schweren Pflegefall wurde und starb. Sie selbst habe in dieser Zeit den Kopf für nichts anderes mehr frei gehabt, so die 48-jährige ehemalige Justizvollzugsangestellte.

Ihr Sohn hatte sich mit der inzwischen 16-Jährigen an jenem Abend verabredet, sie kannten sich, weil sie Nachbarn gewesen waren. Im Internet hatten sie sich „wiedergetroffen“ und zum „Chillen“ in der Wohnung des Angeklagten verabredet.

Er holte sie mit dem Auto ab, „dann ist es passiert“, erzählte der fast kindlich wirkende 21-Jährige mit gesenktem Kopf. Mit einem an den Hals gehaltenen Küchenmesser, das nach seinen Angaben zufällig im Wohnzimmer herum lag, zwang er das Mädchen, sich auszuziehen, ihn zu befriedigen - nicht nur einmal. Als sie sich wehrte und auf ihn einredete, die Tortur zu beenden, wurde er aggressiv und würgte sie so lange, dass sie fast ohnmächtig wurde. „Weil sie gehen wollte“, begründete er sein Verhalten im Gerichtssaal.

Das Mädchen flüchtete barfuß und halb angekleidet - im tiefsten Winter - auf die Straße, hielt ein Auto an und stieg ohne große Worte ein, um endlich in Sicherheit zu sein. „Ich hatte das Gefühl, dass sie in Todesangst war“, erinnerte sich der Fahrer des Wagens als Zeuge. „Sie hat das Vertrauen in die Menschheit verloren“, sagte die Mutter der 16-Jährigen vor Gericht.

Fünf Tage lang hatte sie nach dem Vorfall mit ihrer Tochter bei einer befreundeten Familie übernachten müssen, weil sich das Mädchen aus Angst vor dem Angeklagten nicht nach Hause traute. Inzwischen befindet sie sich in therapeutischer Behandlung.

Das psychiatrische Gutsachten attestierte dem Angeklagten zwar Entwicklungsstörungen, jedoch volle Zurechnungsfähigkeit. Die Tat sei weder im Affekt noch aufgrund einer seelischen Krankheit passiert. Er sei, als er sein Opfer würgte, „nur um Millimeter an einem versuchten Mord vorbei geschlittert“, so Richter Volker Mütze.

Die Verurteilung wegen besonders schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Köperverletzung, so Mütze, „kann in keiner Weise ausgleichen, was dem Mädchen passiert ist“. (pas)

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Rubriklistenbild: © dpa

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