Verteidigerin forderte Freispruch für 25-jährigen Angeklagten aus Litauen

Haftstrafe für BMW-Knacker

Kassel. Wegen schweren Bandendiebstahls in drei Fällen hat das Kasseler Amtsgericht einen 25-jährigen Mann aus Litauen schuldig gesprochen. Eine Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten wurde verhängt. Auch den Haftbefehl gegen den jungen Mann hielt das Schöffengericht aufrecht – wegen anhaltender Fluchtgefahr.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der junge Mann als Teil einer litauischen Bande agierte und am Diebstahl dreier BMW im Wert von 25 000, 34 000 und 64 000 Euro beteiligt gewesen sei: im Oktober 2012 in Gießen und Kassel und im Juni 2013 in Meerbusch. Die Indizienkette sei „eine erdrückende“, betonte Richterin Schiborr.

Verteidigerin Swetlana Rosenzweig hatte zuvor auf Freispruch plädiert. Sie argumentierte, ihr Mandant könne unschuldig ins Visier der Ermittlungsbehörden geraten sein. Sein Pech sei, dass er Litauer sei – und so ins Konzept der Fahnder gepasst habe.

Ob der 25-Jährige eine Handynummer, die die Polizei verfolgte, überhaupt genutzt habe, sei jedoch nie belegt worden, so die Rechtsanwältin aus Koblenz. Verdächtiges Werkzeug habe man nicht bei ihm selbst gefunden, sondern bei Männern, mit denen er in Kontakt gestanden habe. Seine DNA-Spur an einem nachgebauten BMW-Schlüssel könne entstanden seien, als er das Ding aus Interesse anschaute.

Zu viele Zufälle

Das Gericht aber folgte den Interpretationen der Anklagebehörde. „So viele Zufälle und so viel Pech“, wie der Angeklagte gehabt haben müsste, um unschuldig in Verdacht zu geraten, „so viele Zufälle und so viel Pech gibt es nicht“, befand Staatsanwalt Götz Wied.

Bei einer Observation der Polizei in Südhessen sei der Angeklagte mit zwei Männern in einem Volvo gesichtet worden, erläuterte er. Dann habe sich die überwachte Telefonnummer nach Gießen bewegt. Dort wurde ein BMW gestohlen.

Am nächsten Tag sei der Angeklagte mit nur noch einem Begleiter in Kassel observiert worden – unter anderem nah der Brasselsbergstraße. Dort wurde später, während die Polizei die Spur verloren habe, auch ein BMW gestohlen. Mit eben jenem Wagen sei der Begleiter des Angeklagten auf dem Weg nach Litauen zweimal bei Geschwindigkeitsüberschreitungen geblitzt worden – während das überwachte Handy sich Richtung Göttingen bewegte, wo der Angeklagte allein im Volvo angetroffen wurde. Das war noch nicht das Ende der Indizienkette, die Wied anführte.

Im Strafmaß blieb das Gericht am Ende vier Monate unter den Forderungen des Staatsanwalts. Doch wie er wertete es als strafschärfend, dass der nicht vorbestrafte junge Mann auch nach der Polizeikontrolle in Göttingen erneut autoknackend tätig geworden sei.

Von Katja Schmidt

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