Landgericht bestätigt Urteil der ersten Instanz Täter soll jetzt Sucht-Therapie machen

Haftstrafe für Drogen-Dealer: Täter soll jetzt Sucht-Therapie machen

Kassel. Es bleibt bei der vom Amtsgericht verfügten Strafe von drei Jahren und zwei Monaten. Um aber dem 28-jährigen Kasseler eine neue Chance auf ein Leben ohne Straftaten und Drogenkonsum zu ermöglichen, soll er diese Zeit mit einer Sucht-Therapie in einer Entzugsklinik verbringen.

Mit diesem Urteil verwarf die 7. Strafkammer des Landgerichts die Berufung der Staatsanwaltschaft, die wegen der einschlägigen Vorstrafen des Deutschen mit polnischen Wurzeln eine längere Haftstrafe gefordert hatte.

Dem Klischee eines DrogenDealers entsprach der junge Mann auf der Anklagebank so gar nicht: Gepflegt, sympathisch und in gefasster Konzentration voll geständig machte der Untersuchungshäftling den Eindruck, als könne er noch auf einen nicht kriminellen Weg zurückgeführt werden.

Dabei hatte er schon einiges auf dem Konto: Bereits 2008 hatte er kiloweise Haschisch und Amphetamin - unter anderem die Grundlage für das Aufputschmittel Speed - von Holland nach Kassel gebracht. Dafür hatte er eine Freiheitsstrafe von drei Jahren bekommen.

Kaum nach zwei Jahren auf Bewährung entlassen, organisierte er ab November 2012 drei Fahrten nach Holland und Dortmund und schmuggelte mithilfe von gesondert angeklagten Komplizen neun Kilogramm Amphetamin in die Stadt. Einkaufspreis: 2000 Euro/kg, Verkaufspreis der auf die doppelte Menge gestreckten Droge: 3000 Euro/kg.

Der Stoff war in Wohnungen in Brückenhof, Ahnatal-Heckershausen und Edermünde-Grifte für den Kasseler Drogenmarkt aufbereitet worden. Beim letzten Deal allerdings griff die Polizei zu, die das Scheingeschäft eingefädelt hatte.

Die Psychiaterin Birgitt von Hecker, Leiterin der forensischen Klinik in Bad Emstal, zeichnete das Bild einer schweren Jugend des mit zwei Jahren aus Polen nach Deutschland gekommenen Angeklagten. Ständig zwischen den bald getrennt lebenden Eltern pendelnd, konsumierte er ab dem 14. Lebensjahr Haschisch, Kokain, Heroin, Amphetamin und später jede Menge Alkohol. Damit verbunden war ein ständiger Absturz des einstigen Engelsburg-Schülers, der in „hochgradig professionell durchorganisiertem“ Drogenschmuggel mündete.

„Jetzt steht er auf der Kippe und hat erkannt, dass er Hilfe braucht“, sagte die Gutachterin. Ohne Therapie sei es sehr wahrscheinlich, dass er als Dealer weitermache und wieder straffällig werde.

Das sah auch Richter Reichhardt so, der es dem Angeklagten strafmildernd anrechnete, dass er seine Lieferanten und Komplizen benannt und sich voll geständig gezeigt hatte.

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