Gericht: 30-Jähriger hatte Marihuana an Schülerinnen verkauft

Haftstrafe für Drogenhändler

Kassel. Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten ist am Freitag ein 30-Jähriger verurteilt worden, der nach der Überzeugung des Gerichts mehrfach Marihuana an Jugendliche verkauft hat.

Vor allem Schülerinnen im Alter um die 14 Jahre gehörten zu seinen Stammkundinnen. Die Mädchen berichteten als Zeuginnen vor Gericht, wie gravierend die Drogensucht ihr Leben verändert hatte, einige von ihnen brachen die Schule ab, einige gerieten selbst auf die schiefe Bahn, raubten Geld für ihren Drogenkonsum.

Vorsitzender Richter Heiko Butenuth bezeichnete den Prozess vor der 10. Strafkammer dann auch als „ungewohntes Verfahren“, da die Richter eher selten damit konfrontiert seien, dass Drogen an Minderjährige abgegeben werden.

Der Angeklagte hatte zu Beginn des Prozesses die Taten weitgehend gestanden, allerdings ließ er über seinen Verteidiger erklären, dass sein ältere Bruder den Drogenhandel in Gang gebracht und ihn damit beauftragt habe, das in kleine Mengen abgepackte Marihuana an die Kunden zu liefern und das Geld zu kassieren.

Der Bruder, gegen den noch kein Verfahren eingeleitet worden war, hatte sich im vergangenen Jahr das Leben genommen. Der bisher nicht vorbestrafte Angeklagte beteuerte am Freitag erneut, sein Bruder habe ihn zum Drogenhandel „gezwungen“.

Sein Anwalt hatte zuvor eine Bewährungsstrafe gefordert, Staatsanwalt Karl-Heinz Ernst hingegen dreieinhalb Jahre verlangt. Das Gericht lag mit seinem Strafmaß dazwischen, es geht davon aus, dass der 30-Jährige mit 450 Gramm Marihuana gehandelt hat. „Es wird möglicherweise mehr gewesen sein“, vermutet Richter Butenuth. Pro Gramm habe der Angeklagte, das bestätigten auch Zeuginnen, zehn Euro kassiert.

Das Gericht fasste am Ende die Zahl der halbwegs nachweisbaren Verkäufe zu zwei Fällen zusammen, da „nicht jedes Gramm einzeln gekauft und verkauft wurde“, so der Vorsitzende Richter. Die 10. Strafkammer ging von Verkäufen aus zwei Mengen von jeweils 200 und 250 Gramm Marihuana aus. Aus der Sicht der Richter war der Angeklagte der Hauptansprechpartner der Jugendlichen, weil sie die Drogen – mitunter täglich – bei ihm kauften, damit sei er eben auch in der Rolle eines Täters gewesen. Und zuvor behaupteten Schuldendruck wollte das Gericht als Motiv für den schwunghaften Handel nicht gelten lassen. (pas)

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