Marihuana-Bande: Landgericht verurteilt drei Männer und eine Frau

Kassel. Wegen bandenmäßiger Einfuhr größerer Mengen von Marihuana und Beihilfe zum Handeltreiben mit der Droge hat das Kasseler Landgericht drei Männer und eine Frau zu Haftstrafen verurteilt.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass die vier in unterschiedlichen Konstellationen mehrere hundert Kilo Marihuana nach Deutschland geschmuggelt haben. Einer der Angeklagten wurde zugleich wegen Dealens verurteilt.

Alle vier hatten sich geständig zu den Vorwürfen der Anklage eingelassen. Sie machten dabei auch Angaben zu ihren Lieferanten. Dieser Beitrag zur Tataufklärung wurde mildernd berücksichtigt.

Gegen den 32-Jährigen, der nach eigener Aussage in Kassel Marihuana gedealt hatte, wurde eine Freiheitsstrafe von vier Jahren verhängt. Einen Teil davon hat er bereits durch seine Untersuchungshaft verbüßt. Auch wenn die Kammer gegen ihn die längste Haft verhängte, verwahrte sie sich gegen die Einschätzung, er sei der „Big Boss“ gewesen und „die anderen nur seine Laufburschen“.

Diesen Eindruck hatten die anderen Angeklagten zum Teil zu wecken versucht. Ihre Verteidiger hatten jeweils auf Bewährungsstrafen plädiert. Der Anwalt des 32-Jährigen forderte nach eigenen Angaben eine Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Richter Jürgen Stanoschek aber bezeichnete die Beziehung zwischen den vier als „symbiotisch“. Motiv jedes Einzelnen seien - in wirtschaftlich schwieriger Lage - Geschäfte mit guter Bezahlung gewesen: „Keiner musste dazu gedrängt werden.“

Der 38-jährige Angeklagte sei wohl rein als Kurier beteiligt gewesen. Knapp 140 kg habe er transportiert. „Das ist nicht wenig“, so Stanoschek. Zugleich würdigte er, dass der 38-Jährige als erster gestanden habe: „Wenn einer erstmal anfängt zu singen, löst das meist einen regen Chorgesang aus.“ Strafmaß: zweieinhalb Jahre.

Eine Freiheitsstrafe in eben dieser Länger wird auch gegen den 24-jährigen Angeklagten verhängt. Ihn sieht die Kammer als „Mädchen für alles“ innerhalb der Bande. Die 37-jährige Frau hatte zum Teil auch ihren Keller als Depot zur Verfügung gestellt. Das Strafmaß für sie: Zwei Jahre und vier Monate.

Alle Angeklagten können gegen das Urteil in Revision gehen. In der nächsten Woche stehen dann zwei Männer aus Belgien in Kassel vor Gericht - sie sollen die Marihuana-Lieferanten gewesen sein. In diesem Prozess werden die jetzt Verurteilten als Zeugen erwartet. Sind ihre Urteile bis dahin noch nicht rechtskräftig, können sie Aussagen verweigern, mit denen sie sich selbst belasten würden.

Die Staatsanwaltshaft hatte für den 32-Jährigen eine Haftstrafe von vier Jahren gefordert, für den 38-Jährigen und die 37-Jährige jeweils 2 Jahre und zwei Monate. Für den Jüngsten in der Bande hielt sie zwei Jahre und zehn Monate für angemessen.

Von Katja Schmidt

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