Betrunkener 20-Jähriger attackierte 49-Jährigen: Gericht ordnete Entziehungskur an

Haftstrafe für Messerstecher

Kassel. Der junge Mann auf der Anklagebank ist 20 Jahre alt, sieht aber eher aus wie 16 – und hat so viel auf dem Kerbholz, wie die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben nicht anhäufen. Wegen Körperverletzung, Einbruchsdiebstahl, Unterschlagung und Bedrohung, vor allem wegen versuchten Totschlags verurteilt ihn das Kasseler Landgericht am Donnerstag zu dreieinhalb Jahren Jugendhaft.

Und es ordnet die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an: Denn trotz seiner jungen Jahre hat der Mann nach Überzeugung der Schwurgerichtskammer nicht nur ein Gewalt-, sondern auch ein Alkoholproblem. „Trinken, trinken, trinken, das ist Ihre Lieblingsbeschäftigung“, sagt Richter Volker Mütze. Auch an jenem Oktobertag 2010, als der Angeklagte beinahe einen Menschen erstochen hätte, war viel Alkohol geflossen. Zusammen mit einem 17-Jährigen, der zu vier Wochen Dauerarrest verurteilt wird, und einigen weiteren Kumpanen hatte er einen 49-jährigen Kasseler besucht. Einen Mann, der, wie Mütze sagt, justizbekannt ist, weil er gestrauchelte Jungs wie die Angeklagten gelegentlich bei sich aufnimmt. In der Hoffnung auch auf sexuelle Gegenleistungen.

Weil dieser Mann nach massiven Drohungen zugab, sich am Bruder des 20-Jährigen vergriffen zu haben, wurde er von seinen Gästen brutal zusammengeschlagen. Schließlich stach ihn der 20-Jährige nieder. Doch nach Ansicht des Gerichts ging es nicht um Rache für die angebliche Vergewaltigung, sondern um „reines Ausleben von Aggressionen“. Zwei Monate später reagierte der 20-Jährige seine unkontrollierte Wut an einem zufälligen Opfer ab: Auf dem Rückweg von der Disco verprügelte er einen Passanten. Einfach so. Als der Prozess bereits lief, schlug er im Suff eine Fensterscheibe ein. Mit dem Alkohol aber ist es ab sofort vorbei: Vom Gerichtssaal geht es für den jungen Mann direkt ins Gefängnis. Als ihm das eröffnet wird, grinst er nicht mehr. (jft)

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