Landgericht: Zwei junge Männer müssen wegen versuchten schweren Raubes ins Gefängnis

Haftstrafe für nächtlichen Überfall

Kassel. Dass nicht beglichene Lohnforderungen Grund für einen nächtlichen Überfall auf die Gaststätte Forsters Garden gewesen sein sollen, wollte das Gericht nicht glauben. Freilich hätte das die beiden Angeklagten nicht vor einer Strafe bewahrt, sondern nur das Maß beeinflusst. Nun muss der vorbestrafte 22-Jährige für drei Jahre und sein 21-jähriger Komplize für zwei Jahre in Haft. Die 1. Strafkammer des Landgerichts verurteilte beide wegen versuchten besonders schweren Raubes.

Vermummt und mit einer Feuerzeugpistole sowie einem Beil ausgestattet, waren sie im Juli zu später Stunde in die Bettenhäuser Gaststätte gestürmt. Mit einem Mitarbeiter, dem Cousin des 22-Jährigen, hatten sie vereinbart, dass der eine Tür offen lässt. Der Cousin ließ sich dann auch noch als scheinbare Geisel von dem 21-Jährigen in den Schwitzkasten nehmen und mit dem Beil bedrohen. Der Inhaber des Restaurants ließ sich jedoch nicht einschüchtern, er redete so lautstark auf die beiden ein, dass sie die Flucht ergriffen. In einem der beiden erkannte er seinen ehemaligen Mitarbeiter, der in einem von ihm ebenfalls betriebenen Club in der Innenstadt gearbeitet hatte.

Kurz nach der Tat stellte sich der 21-Jährige der Polizei, auch sein Kompagnon wurde festgenommen. Das Duo gestand die Tat, die beiden gaben jedoch unterschiedliche Motive an: Der 22-Jährige sagte, er habe nach seinem Rauswurf als Barkeeper des Clubs noch Geld zu bekommen gehabt. Nachdem er deswegen mehrfach vergeblich angefragt habe, sei der Überfall der einzige Weg gewesen. Der 21-Jährige gab an, er sei nur mitgekommen, weil er von dem Cousin des 22-Jährigen, der in Forsters Garden gearbeitet hatte, gebeten worden sei, etwas gegen dessen schlechte Bezahlung zu unternehmen.

Der Vorsitzende Richter sah am Ende „keine Hinweise auf Lohnrückstände“. Der Gaststätteninhaber und auch die Chefin des Clubs hatten als Zeugen vor Gericht angegeben, dass der Lohn ausgezahlt worden sei, was auch eine Überwachungskamera dokumentiert habe. Der 22-Jährige hatte bei der Polizei zunächst gesagt, den Überfall wegen anderer Probleme mit seinem Ex-Arbeitgeber, unter anderem wegen eines Hausverbots, begangen zu haben. Die angeblichen Lohnforderungen stufte der Vorsitzende Richter dann als „nachträglich ausgedacht“ ein. Er war überzeugt davon, dass es bei dem Überfall nicht nur um ein paar Hundert Euro, sondern um mehr ging. Denn die beiden vermummten Gestalten sollen „Wo sind die Sachen?“ geschrien haben. (pas)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.