23-Jähriger fühlte sich von Prostituierter betrogen - Gericht: räuberische Erpressung

Haftstrafe für rabiaten Freier

Kassel. Auch Männer schauen beim Sex auf die Uhr, zumindest wenn es sich um bezahlte Liebesdienste handelt. Ganz genau hingeschaut hatte ein junger Freier aus Kassel. Darum war er sich sicher, dass das vereinbarte Schäferstündchen noch nicht vorbei war. Weil er sich daraufhin sein Geld gewaltsam von der Prostituierten zurückholte, wurde er gestern vor dem Amtsgericht zu einer Haft von neun Monaten verurteilt. Ohne Bewährung, denn er ist mehrfach vorbestraft und stand zur Tatzeit unter Bewährung.

Der 23-Jährige hatte im Juli 2009 eine Wohnung an der Fünffensterstraße aufgesucht, um nach durchzechter Nacht ein schnelles sexuelles Abenteuer zu erleben. 20 Minuten für 35 Euro, so lautete die Abmachung. „Nach zwölf Minuten meinte sie plötzlich, die Zeit wäre um und ich sollte gehen“, erklärte der Mann. Weil er sich nicht über den Tisch ziehen lasse, habe er sein Geld von der Frau zurückverlangt.

Mit welchen Mitteln, darüber gab es unterschiedliche Darstellungen. Während der Angeklagte einräumte, die Frau geschubst zu haben, betonte diese, sie sei heftig gegen eine Wand gestoßen worden. Außerdem habe der wütende Kunde gedroht, sie umzubringen. Aus Angst habe sie ihm schließlich die 35 Euro zurückgegeben. Die 20-Jährige war sich ebenfalls sicher, was die Dauer des Geschlechtsverkehrs anging: „Die Zeit war vorbei“, pochte sie.

Verteidiger Dieter Keseberg sah in dem Vorgang eine Nötigung, denn sein Mandant habe sich ja geweigert, die Wohnung ohne sein Geld zu verlassen. Der Angeklagte habe sich betrogen gefühlt. „Er ging davon aus, dass erst zehn oder zwölf Minuten verstrichen waren. Vielleicht weil er noch nicht zum Höhepunkt gekommen war und die Zeit brauchte“, führte der Anwalt aus und beantragte eine viermonatige Freiheitsstrafe.

Oberstaatsanwalt Michael Geidies forderte 15 Monate wegen räuberischer Erpressung. Er nahm dem Angeklagten nicht ab, dass dieser sich trotz massiven Kokain- und Alkoholkonsums so genau an den Zeitablauf erinnern konnte. Er hielt es sogar für wahrscheinlich, dass der Freier von Anfang an sein Geld wieder mitnehmen wollte.

Das Gericht dagegen glaubte an eine Spontantat - aus Ärger über unbefriedigenden Sex. Eine „Erfolgsgarantie“ aber gebe es beim Gang zur Prostituierten ebenso wenig wie eine Geld-zurück-Garantie. Weil der Mann aufgrund von Alkohol und Drogen vermindert schuldfähig gewesen sei und nur wenig Gewalt angewendet habe, erkannten die Richter auf einen minder schweren Fall der räuberischen Erpressung. (psü)

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