50-Jähriger muss zweieinhalb Jahre ins Gefängnis

Auseinandersetzung in Drogenszene: Haftstrafe für Schlag ins Gesicht

Kassel. Ein 50-Jähriger und ein 59-Jähriger aus der Drogenszene am Lutherplatz saßen sich am Donnerstag vor dem Amtsgericht gegenüber: der eine als Angeklagter, der andere als Nebenkläger.

Der 50-Jährige, davon war am Ende jedenfalls Richterin Schiborr überzeugt, hat dem 59-Jährigen im Mai dieses Jahres einen derart heftigen Schlag ins Gesicht versetzt, dass der Brüche am Nasenbein und am Kiefer erlitt. Dafür, und weil er dem 59-Jährigen auch noch dessen Geld weggenommen hat, kassierte der 50-Jährige gestern zweieinhalb Jahre.

Der 59-Jährige aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg hatte an jenem Tag seine Sozialleistungen ausnahmsweise bar ausgezahlt bekommen und war im Zug nach Kassel gereist, um sich mit Drogen einzudecken. Nachdem er am Trafohaus auf dem Lutherplatz seinen Einkauf getätigt hatte, soll es einen kurzen Streit mit dem 50-Jährigen gegeben haben. Als der 59-Jährige sich ein ruhiges Eckchen suchen wollte, in dem er den gerade erworbenen Stoff konsumieren konnte, bemerkte er, wie ihm der 50-Jährige folgte. „Ich bot ihm an, die Substanz zu teilen.“ Sekunden später spürte er einen derart heftigen Faustschlag im Gesicht, dass seine Brille und sein Gebiss durch die Gegend flogen und er bewusstlos zu Boden ging. Als er wieder zu sich kam, berichtete er vor Gericht, habe er gerade noch mitbekommen, wie sich der Angreifer die Geldscheine aus dem Portemonnaie fischte.

Der Angeklagte, in dessen Strafregister 31 Einträge stehen, bestritt die Vorwürfe. Er sei an jenem Tag stark angetrunken gewesen. „Ich habe den ganzen Vormittag getrunken, Schnaps und Bier.“ Und zwar in einer „erheblichen“ Menge. Außerdem habe er „Substanzen inhaliert“. Er könne sich deshalb zwar nicht an jedes Detail erinnern, doch er beteuerte, keinerlei körperliche Auseinandersetzung mit dem 59-Jährigen gehabt zu haben. „Sollte das der Fall gewesen sein, wüsste ich das noch.“ Er meinte gar, ein Alibi zu haben: Etwa zur Tatzeit wurde er auf dem Lutherplatz von der Polizei kontrolliert. Freilich waren die Zeitangaben dazu äußerst vage.

Während Staatsanwalt Jan Uekermann am Ende „keinen Zweifel an der Täterschaft“ des 50-Jährigen hatte, und auf eine Haftstrafe von drei Jahren plädierte, verwies Verteidiger Bernd Schubert auf das seiner Meinung nach eindeutige Alibi seines Mandanten und verlangte Freispruch. Richterin Schiborr vermochte jedoch keinerlei Anzeichen dafür zu erkennen, dass der 59-Jährige den Angeklagten zu Unrecht belastet haben könnte. Seine Aussage sei „im Kern schlüssig“ gewesen. Zwischen der Kontrolle des Angeklagten durch die Polizei und dem Auffinden des verletzten Opfers sei etwa eine Dreiviertelstunde vergangen, genug Zeit für einen Schlag ins Gesicht, so die Richterin. Der Angeklagte muss nicht nur zweieinhalb Jahre hinter Gitter, sondern auch 8000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Von Ralf Pasch

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