Täter muss über zwei Jahre hinter Gitter

Nach Messerstecherei bei McFit: Haftstrafe für Selbstjustiz

Kassel. Vieles musste offen bleiben in diesem Verfahren. Am Donnerstag stand für das Amtsgericht immerhin fest, dass der Angeklagte (36) eine gefährliche Körperverletzung begangen hat und deshalb eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verdient hat. Er selbst hatte bis zuletzt zu den Tatvorwürfen geschwiegen.

„Ich wünschte, es wäre nicht passiert“, sagte er in seinen letzten Worten vor der Urteilsverkündung. Und: „Das hat mein Leben zerstört.“ Er hätte um Haaresbreite ein weiteres Leben zerstört.

Bei einem Besuch im Fitnessstudio McFit an der Kohlenstraße war er im März 2012 mit einem heute 28-jährigen Studenten zusammengetroffen - und das im Wortsinne. An einem Waschbecken rempelten sich die beiden an. Danach hatte es wohl einen verbalen Streit gegeben, doch der kippte sehr bald. Wer wann was gesagt oder getan haben könnte, konnten selbst die vielen Zeugen nicht aufklären, die an drei Prozesstagen vom Amtsgericht gehört worden waren. Das spätere Opfer, so hieß es im Gerichtssaal, habe selbst nicht nur mit Worten gefochten, sondern auch mal zugeschlagen.

Fest steht freilich, dass bei dem Angeklagten eine Sicherung durchgebrannt sein muss. Er zog ein Messer und stach auf den Widersacher ein. Damit war die blutige Auseinandersetzung allerdings nicht beendet. Der 28-Jährige wehrte sich und griff mehrfach in die Klinge, um dem Angreifer das Messer zu entreißen. Er gab vor Gericht an, dass andere Besucher des Studios die Auseinandersetzung zwar beobachtet, aber nicht eingegriffen hätten. Der Kampf muss sich eine ganze Weile hingezogen haben, bis sich doch einer der Beobachter ein Herz griff und der Sache ein Ende bereitete. Wenig später nahm die Polizei den Messerstecher fest.

Der ist nicht vorbestraft gewesen. Das Messer soll er aus Angst vor Angriffen ständig in der Tasche mit sich herumgetragen haben. Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigt ihm eine Depression, die seit Längerem mit Medikamenten behandelt wird. Ansonsten, so steht es in dem Gutachten, gebe es keine Hinweise darauf, dass der Mann wegen ernsthafter psychischer Probleme, wegen der eingenommenen Medikamente, wegen Alkohol oder etwa Drogen zur Tatzeit nicht schuldfähig gewesen sein könnte. Es könne lediglich nicht ausgeschlossen werden, dass seine Steuerungsfähigkeit wegen einer „reduzierten Impulskontrolle“ beeinträchtigt war. Das wirkte sich dann strafmildernd aus.

Das Gericht verwies in seiner Urteilsbegründung darauf, dass das Opfer um sein Leben habe fürchten müssen. Im Krankenhaus waren bei ihm Stiche und Schnitte außer an der Hüfte auch an einer Hand, am Oberarm und am Ellenbogen festgestellt worden. Die Reaktion des Angeklagten nach dem verbalen Streit, so das Gericht, sei vollkommen unangemessen gewesen und als Selbstjustiz einzustufen. (pas)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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