47-Jähriger muss drei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis und in eine Entziehungsanstalt

Haftstrafe für Tankstellenräuber

Kassel. Als „meine letzte Chance“ bezeichnete der 47-jährige Angeklagte das Urteil der 5. Strafkammer des Landgerichts: Drei Jahre und zehn Monate muss er hinter Gitter, weil er im November vergangenen Jahres zwei Kasseler Tankstellen überfallen hat. Außerdem ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

„Mein halbes Leben“, so die traurige Bilanz des Angeklagten, „habe ich im Gefängnis verbracht, ich will nicht auch noch den Rest dort verbringen.“ Erst wenige Monate vor den beiden Taten, um die es jetzt vor dem Landgericht ging, war er aus dem Gefängnis entlassen worden. „Ich muss von den Drogen wegkommen“, lautet die Erkenntnis des 47-Jährigen. Drogen, so ergab es auch ein Sachverständigengutachten, hatten ihm bei den beiden Taten die Sinne vernebelt und seine Steuerungsfähigkeit vermindert, freilich war sie nicht komplett aufgehoben.

Die Überfälle sollten dazu dienen, Geld für neue Drogen zu beschaffen. Bei der ersten Tat in einer Tankstelle am Kreisel hatte er es mit vorgehaltener Softair-Pistole verlangt, doch die Kasse war technisch so ausgelegt, dass man nichts entnehmen konnte. Der Angeklagte verlangte daraufhin das Handy des Kassierers, der gab ihm stattdessen die Fernbedienung der Klimaanlage. Ohne Beute zog der Angeklagte wieder ab. Erfolgreicher war er bei dem zweiten Überfall Tage später in einer Tankstelle an der Ysenburgstraße. Dort konnte er um die 400 Euro erbeuten – wieder hatte er mit der Spielzeugpistole gedroht.

Während der Kassierer in der Tankstelle am Kreisel den Vorfall offenbar halbwegs unbeschadet überstanden hat, ist dessen Kollegin stärker in Mitleidenschaft gezogen worden. Sie war krankgeschrieben und bekommt heute noch gelegentlich Angstanfälle, wenn sie an ihrem alten Arbeitsplatz an der Kasse steht. Der Angeklagte hatte sich während der Verhandlung bei beiden entschuldigt. „Ich wollte die Leute nicht schädigen“, beteuerte er am Montag.

Das Gericht rechnete ihm an, dass er die beiden Taten sehr früh gestanden hatte, außerdem sei das Maß an Gewalt vergleichsweise gering gewesen, so Vorsitzender Richter Jürgen Stanoschek. Gleichwohl hätten die beiden Taten auf die betroffenen Kassierer einen gewissen Eindruck gemacht. Zudem verwies Stanoschek auf das Vorstrafenregister des 47-Jährigen und die hohe Rückfallgeschwindigkeit, außerdem habe er eine Drogentherapie abgebrochen. „Dies ist heute tatsächlich die letzte Chance“, mahnte der Richter. Wenn der Angeklagte die Therapie „in den Sand setzt“, werde er kaum eine weitere Möglichkeit bekommen, den Teufelskreis aus Sucht und Beschaffungskriminalität zu verlassen. (pas)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.