Landgericht verurteilt Koks-Händler

Kiloweise Kokain: Haftstrafen für zwei Angeklagte

Kassel. Drogenhandel sei „keine Gentlemen-Kriminalität“, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Stanoschek. Ein Drogenhändler ist in seinen Augen „ein erheblich krimineller Akteur“, schließlich habe sein Hadeln starke Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen.

Die 5. Strafkammer, in der Stanoschek den Vorsitz inne hat, verurteilte jetzt einen 39-Jährigen und einen 56-Jährigen zu Haftstrafen von vier Jahren sowie drei Jahren und drei Monaten. Sie hatten bei drei Lieferungen Kokain kiloweise aus Holland eingeführt.

Die beiden hatten die Taten bereits bei der Polizei gestanden. Vor Gericht gaben sie als Motiv an, sie hätten Geld gebraucht, unter anderem weil Kredite abbezahlt werden mussten. Der 39-Jährige sagte, er sei von einem Bekannten gebeten worden, die Drogengeschäfte für eine Weile als Vertretung zu übernehmen, weil der sich im Ausland aufhielt. Er gab zu, bereits einige Jahre zuvor mit Drogen gehandelt zu haben, um seine finanziellen Verhältnisse aufzubessern, damals mit Marihuana. Mit Kokain stieg er in eine höhere Liga auf.

Im Körper transportiert

Geliefert wurde ihm der Stoff von dem 56-Jährigen. Der fuhr mit fünfstelligen Summen ausstaffiert nach Holland. In Amsterdam lieferte er das Geld ab. Das Kokain transportierte er in seinem Körper nach Deutschland, damit es niemand entdecken konnte. Jede der drei Lieferungen hatte einen Umfang von etwa einem Kilo, rund hundert Plomben musste der 56-Jährige also schlucken und in Kassel dann ausscheiden. Pro Tour bekam er 2 500 Euro Lohn. Bei der der dritten Fahrt wurde er festgenommen. Die Polizei hatte nach Hinweisen aus dem Umfeld der Bande Telefongespräche überwacht und ihm so auf die Spur gekommen.

Kaum was verdient

Der 39-Jährige gab an, er habe beim Weiterverkauf an Abnehmer in Kassel gar nichts oder kaum etwas verdient. Sein Geschäftspartner habe ihn angewiesen, das Gramm Kokain für 35 Euro abzugeben, daran habe er sich gehalten. Nur ab und zu habe er drei Euro draufgeschlagen und dieses Geld dann für sich behalten. „Wir können uns nicht vorstellen, dass nur diese drei Euro geflossen sein sollen, es muss deutlich mehr gewesen sein“, vermutete Richter Stanoschek. Aus Kundenlisten, die bei dem 39-Jährigen gefunden wurden, ging hervor, dass das Gramm Kokain auch mal für 50 Euro über den Tisch ging.

Das Gericht rechnete den beiden außer ihren Geständnissen ihr sauberes Vorstrafenregister an. Außerdem sei nur ein Teil der Lieferungen in den Weiterverkauf gelangt. Durch ihre Geständnisse hätten die beiden Hinweise auf Abnehmer und die Struktur der Bande gegeben hatten. Freilich müsse berücksichtigt werden, mahnte Richter Stanoschek, dass die beiden mit Kokain gehandelt haben, und dass sei „ein erhebliches Betäubungsmittel!“. (pas)

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