Vier Kasseler verurteilt - Gegen Hauptangeklagten wird extra verhandelt

Haftstrafen für Räuber-Quartett

Kassel. Zwei Schreckschusspistolen, ein Brecheisen, einen Teleskopschlagstock - ein ganzes Waffen- und Werkzeugarsenal nahmen fünf Kasseler im September mit, um einen vermeintlichen Heroin-Dealer und seine Freundin zu überfallen. Geld und Drogen wollten sie erbeuten. Doch was sie in der Wohnung nah der Hafenbrücke an sich brachten, so ist das Kasseler Landgericht überzeugt, waren nur rund 30 Euro und zwei Handys - eines beschädigt.

Drei der jungen Männer wurden jetzt wegen besonders schweren Raubs verurteilt, ein weiterer wegen Raubes. Der fünfte Angeklagte - nach allen Aussagen derjenige, der die Gruppe zusammenführte, die Wohnungstür ein- und am drohendsten auftrat, war kurz vor der Verhandlung in der Untersuchungshaft erkrankt. Sein Fall wird später verhandelt.

Die vier Verurteilten hatten eingeräumt, an der Aktion beteiligt gewesen zu sein. Das Strafmaß fiel unterschiedlich aus. Ein Überblick:

Der Waffenbeschaffer: Mit 18 der Jüngste, keine Vorstrafen. Er gab an, er habe Waffen und Werkzeug mitgebracht. Er habe vor der Tat viel Musik des Rappers „Haftbefehl“ gehört - wollte cool sein - habe aber „massiv Scheiß gebaut“. Während der Tat sei er „ganz vorn dabei“ gewesen, befand das Gericht - wenn auch mit kaputter Pistole. Strafmaß: eineinhalb Jahre Jugendstrafe auf Bewährung, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit neben der Lehre.

Der Fahrer: 20 Jahre alt, zur Tatzeit unter laufender Bewährung. Der fünfte Mann habe ihn am fraglichen Abend gebeten, ihn abzuholen, sagte er. Erst auf der Fahrt habe er vom geplanten Überfall erfahren. Als Einziger einen Rückzieher machen, wenn alle in seinem Auto sitzen: „Das geht nicht.“ Auch der 20-Jährige, so die Kammer, habe mit Pistole vor dem Junkie-Paar gestanden. Dreieinhalb Jahre Jugendstrafe wurden festgesetzt - inklusive der alten Verurteilung. Der Kasseler soll in Haft eine Lehre abschließen können.

Der Schmieresteher: 29, enger Freund des fünften Mannes, nach eigener Aussage zur Tatzeit ohne Geld für Miete und Essen, weil das Konto gepfändet wurde. „Ihre Vorstrafen-Situation ist nicht total schlecht“, sagte der Richter. Schwerere Sachen lägen schon lang zurück. Vor Ort stand er mit Schlagstock im Flur Schmiere, von der Beute habe er nichts bekommen. Verhängt wurden zwei Jahre Haft auf Bewährung, plus 100 Stunden gemeinnützige Arbeit neben dem Job.

Der Lotse und Tippgeber: 31, heroinabhängig, mehrfach vorbestraft. Er kannte das Opfer, hatte nach eigenen Angaben vor längerer Zeit mehrfach Heroin bei ihm bezogen. Er habe die anderen zur Wohnung gelotst, sei dann aber beim Auto geblieben. Von Waffen habe er nichts mitbekommen. Das hielt das Gericht für nicht ausgeschlossen. Der 31-Jährige wurde zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt und soll möglichst eine schon anberaumte Drogentherapie antreten.

Alle vier hatten sich im Gerichtssaal bei ihren Opfern entschuldigt. Die Frau - jetzt selbst in Haft - betonte, das finde sie gut. „Ich bin ja selbst kein Unschuldslamm“, sagt sie. Der Überfall aber habe ihr und ihrem Freund noch über Wochen mit Angstzuständen zu schaffen gemacht.

Von Katja Schmidt

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