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Hakenkreuze auf Kasseler Hauptfriedhof

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Gedenktafel beschmiert: Gärtnermeister Jörg Ickenstein steht neben dem Bombenopferfeld. Trotz Reinigung ist die Schmiererei noch sichtbar.
Gedenktafel beschmiert: Gärtnermeister Jörg Ickenstein steht neben dem Bombenopferfeld. Trotz Reinigung ist die Schmiererei noch sichtbar. © Ulrike Pflüger-Scherb

Nachdem Unbekannte Hakenkreuze und andere rechtsextreme Schmierereien auf dem Kasseler Hauptfriedhof hinterlassen haben, ermittelt der Staatsschutz.

Kassel – Hakenkreuze, NS-Zeichen, einen antisemitischen Schriftzug sowie weitere Schmierereien haben Unbekannte an den vergangenen beiden Wochenenden auf einer Gedenktafel, Wegen, Bänken und an Betriebsgebäuden auf dem Kasseler Hauptfriedhof hinterlassen. Ähnliche Schriftzüge wurden zudem im Bereich der nahe gelegenen Tiefgarage eines Wohnkomplexes in der Grebensteiner Straße entdeckt, wie Polizeisprecher Matthias Mänz mitteilt.

Auch wenn es in der Vergangenheit bereits Sachbeschädigungen auf dem Hauptfriedhof gab, so habe er noch nie erlebt, dass rechtsextreme Symbole auf Gedenksteine geschmiert worden seien, sagt Gärtnermeister Jörg Ickenstein, der seit 25 Jahren bei der Friedhofsverwaltung arbeitet. An dem Wochenende zwischen dem 29. April und dem 1. Mai hätten die Täter auf die Gedenktafel des Bombenopferfeldes einen durchgestrichenen Judenstern und den Schriftzug „Scheiß Jude“ geschmiert.

„Die wissen nicht, was sie beschmiert haben und haben von Politik offenbar keine Ahnung“, sagt Eckehart Göritz, Chef der Friedhofsverwaltung, über die unbekannten Täter. Auf dem Bombenopferfeld sind die zivilen Opfer der Luftangriffe auf Kassel vom 22. Oktober 1943 bestattet worden. Die Täter hätten allerdings einen Hinweis auf ihr Motiv hinterlassen. Vor dem Gedenkstein sprühten sie „Lasst die Bank stehen“. Die Friedhofsverwaltung habe kurz zuvor eine Bank, die am Bombenopferfeld stand, entfernt. Dort hätten sich nämlich regelmäßig Jugendliche getroffen und viel Müll vom Feiern hinterlassen, so Göritz und Ickenstein.

Nachdem der Stein aus Muschelkalk gereinigt worden war, schlugen die Täter am vergangenen Wochenende erneut zu. Dieses Mal hinterließen sie die Buchstaben „NS“. Ein Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung habe eineinhalb Tage den Stein gereinigt. Die Schmiererei ist aber noch immer sichtbar.

Auf dem Hauptfriedhof werde abends zwar ein Wachdienst eingesetzt, so Göritz, aber es sei schwierig, die Täter auf der 40 Hektar großen Fläche zu erwischen.

Die Ermittlungen zu den Schmierereien wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Volksverhetzung und Sachbeschädigung hat der Staatsschutz übernommen. Hinweise: Tel. 0561/9100. (use)

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