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Ärger über Elterngeldstelle in Kassel: Mutter wartet halbes Jahr auf Zahlung

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Von: Bastian Ludwig

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Es gibt wieder Beschwerden über die Elterngeldstelle in Kassel. Eine Mutter aus dem Kreis Kassel hat ein halbes Jahr auf ihren Bescheid gewartet.

Kassel/Habichtswald – Kathrin Müsken und ihr Mann waren im Frühjahr gut auf die Geburt ihrer Tochter vorbereitet. Noch bevor Mathilda am 18. April 2022 zur Welt kam, hatten sie den Elterngeldantrag vorbereitet. Nur die Geburtsurkunde musste noch beigefügt werden. Doch obwohl das Paar aus Habichtswald-Dörnberg den Antrag nur zwei Tage nach der Geburt – wie vorgeschrieben online und auf dem Postweg – an die Elterngeldstelle in Kassel verschickt hatte, sollte es mehr als ein halbes Jahr auf das Elterngeld warten.

Nachdem Müsken nach dem Absenden des Antrages am 20. April eine elektronische Eingangsbestätigung bekommen hatte, ging das Warten los. Erst mehr als einen Monat später, am 24. Mai, bekam sie dann nochmals eine Bestätigung, dass der Post-Antrag nun bearbeitet werde.

Langes Warten auf das Elterngeld: Junge Eltern sollten sich für ihre Elternzeit Geld zurücklegen. Die Bearbeitung von Elterngeldanträgen kann nämlich Monate dauern. Archivfoto: Imago/ Sabine Stallmann
Langes Warten auf das Elterngeld: Junge Eltern sollten sich für ihre Elternzeit Geld zurücklegen. Die Bearbeitung von Elterngeldanträgen kann nämlich Monate dauern. Archivfoto: Imago/ Sabine Stallmann © Bastian Ludwig

Antrag auf Elterngeld: Elterngeldstelle in Kassel moniert fehlende Unterlagen

Es folgte am 6. Juli ein neues Schreiben der Behörde. Es würden noch Verdienstabrechnungen von ihr und ihrem Mann fehlen. „Die für zwölf Monate geforderten Abrechnungen meines Mannes hatten wir aber definitiv mit dem Antrag verschickt. Auf nochmalige Nachfrage bei der Elterngeldstelle sind die auch aufgetaucht“, erzählt Müsken. Weil sie als Beamtin nicht für jeden Monat eine Bezügemitteilung bekomme, sondern nur, wenn sich der Verdienst verändere, musste sie dies den Behördenmitarbeitern zunächst erläutern. „Dabei sind doch viele Beamten betroffen. So etwas müssen die dort doch wissen“, sagt Müsken.

Kathrin Müsken
Betroffene Mutter: Kathrin Müsken © privat

Es entpuppte sich zudem als schwierig, überhaupt einen Mitarbeiter ans Telefon zu bekommen. Manchmal waren etliche Anläufe nötig. Die Monate gingen ins Land. Erst am 5. September kam dann eine erneute Nachfrage der Behörde. Frau Müsken müsse bei einer Verdienstabrechnung noch die zweite Seite nachreichen. „Auf dieser war nur der Kontakt der Bezügestelle zu lesen. Trotzdem sollte ich sie noch schicken.“ Inzwischen war sie frustriert und genervt. „Ich hatte schon vermutet, dass die Auszahlung des Elterngeldes dauern würde und war in der glücklichen Lage, mir für drei Monate Geld zurücklegen zu können“, sagt die Beamtin. Doch als die Ersparnisse aufgebraucht waren, musste sie auf ihre Eltern zurückgreifen. „Mit 30 Jahren sollte man das nicht mehr müssen. Zudem hat ja auch nicht jeder diese Möglichkeit.“

Nach Auskunft des Regierungspräsidiums (RP) Gießen, das für die Elterngeldstellen zuständig ist, hat sich die Bearbeitung im Fall von Müsken verzögert, weil Verdienstabrechnungen unvollständig gewesen seien. Erst Anfang September hätten alle Unterlagen vorgelegen.

Informationen zum Elterngeld

Mehr Informationen zum Antrag auf das Elterngeld gibt es bei elterngeld.hessen.de und familienatlas.de/elterngeld

Elterngeldstelle in Kassel: Monatlich gehen 900 Anträge auf Elterngeld ein

Auf die Frage, warum es oft mehr als einen Monat dauerte, bis die Elterngeldstelle auf Anträge und Nachreichungen reagierte, verweist das RP darauf, dass bei der Elterngeldstelle Kassel monatlich 900 Anträge eingingen. 2021 seien es 10 600 gewesen. Hinzu kämen Folge- und Änderungsanträge. Zeitnahe Rückmeldungen seien daher nicht immer möglich.

Zugunsten einer zügigeren Antragsbearbeitung seien überdies die telefonischen Sprechzeiten auf zwei Tage (dienstags und donnerstags) beschränkt worden. Eltern würden gebeten, von Anfragen zum Stand der Bearbeitung abzusehen. Dies sorge zusätzlich für Verzögerungen. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit habe zuletzt bei 79 Tagen gelegen.

„Auch 79 Tage Bearbeitungszeit sind nichts, worauf man stolz sein kann. Ein Arbeitgeber, der nach so langer Zeit sein Gehalt zahlt, hätte ein Problem“, sagt Müsken. Die junge Mutter soll nun spätestens am 10. November ihren Elterngeldbescheid erhalten. (Bastian Ludwig)

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