Mithäftling Verbrühungen zugefügt: Halbes Jahr länger Knast für 23-Jährigen 

Kassel. Lang war die Liste der Vorwürfe: versuchte räuberische Erpressung, Bedrohung, Exhibitionismus. Am Ende blieb versuchte Körperverletzung übrig. Weil er einen Mithäftling in der JVA Kassel so gestoßen hatte, dass der sich heiße Suppe über die Hand schüttete, ist ein 23-jähriger Häftling zu weiteren sechs Monaten verurteilt worden.

Auslöser soll ein Streit um einen DVD-Player gewesen sein. Das behauptete ein 49-Jähriger, der bis zum Mai 2010 in der JVA gesessen hatte. Er hatte das Gerät dem Angeklagten geliehen und nicht zurückbekommen. Der Angeklagte gab an, er habe gebeten, das Gerät behalten zu dürfen, wenn der 49-Jährige aus der Haft entlassen wird, das sei ihm aber verweigert worden.

Von da an muss zwischen den beiden dicke Luft geherrscht haben, der 49-Jährige berichtete, er sei von dem Angeklagten ständig beschimpft worden. Vor Gericht beteuerte der seine Unschuld. Er habe den 49-Jährigen lediglich einmal Bastard genannt. Alles andere habe der sich ausgedacht.

In der Gemeinschaftsküche gab es dann nach der Überzeugung des Gerichts eine Begegnung, die für den 49-Jährigen schmerzhaft endete: Als er sich eine Suppe gekocht hatte und in seine Zelle zurückkehren wollte, lief ihm sein Widersacher über den Weg. Der schlug ihn so heftig gegen den Arm, dass ihm die heiße Suppe über die Hand schwappte und er sich so stark verbrühte, dass er noch heute behandelt werden muss. Der Angeklagte sagte, er sei geschubst und beschimpft worden. Es gab jedoch Zeugen, die die Version des 49-Jährigen bestätigten.

Staatsanwalt Jan Uekermann stellte mit Blick auf die diffuse Beweislage den Antrag, die Anklage auf diesen einen Fall zu beschränken und die anderen einzustellen. Er forderte sechs Monate Freiheitsstrafe, das Gericht folgte dem und verurteilte den Angeklagten zusätzlich zur Zahlung von 750 Euro Schmerzensgeld. (pas)

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