Finanzieller Kraftakt für die KVG

Finanzieller Kraftakt: Bisher elf moderne Trams ausgeliefert

Jungfernfahrt: Eine der neuen Trams auf der Wilhelmshöher Allee. Vor einem Jahr traf die erste neue Straßenbahn des Herstellers Bombardier/Vossloh-Kiepe aus Bautzen in Kassel ein. Archivfoto: Koch

Kassel. Für die Fahrgäste sind die modernen Straßenbahnen angenehm, für die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) ein finanzieller Kraftakt. Die Hälfte der 22 neuen Tramzüge fährt bereits im Liniennetz. Jetzt beginnt die zweite Halbzeit für die Anlieferung.

Im kommenden Jahr rollen weitere elf neue Bahnen aus Bautzen an. In Kassel fahren dann im Linienbetrieb ausschließlich Niederflurbahnen, in die man bequem ein- und aussteigen kann.

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Die Neuanschaffung hat ihren Preis: Die Investition für die 22 neuen Bahnen von insgesamt 55 Millionen Euro reißt eine Lücke in den Etat der KVG. Das Unternehmen muss die neuen Trams vollständig selbst finanzieren. Denn 2004 hatte das Land Hessen die bis dahin für den Kauf von Neufahrzeugen im öffentlichen Nahverkehr gewährten Zuschüsse von 30 bis 40 Prozent gestrichen. Die KVG war deshalb gezwungen, die Bahnen über einen Kredit zu finanzieren. Ende 2011 hatte die KVG bereits 53,3 Millionen Euro Bankschulden.

„Die 55 Millionen Euro sind für uns schwer zu stemmen. Dennoch war die Entscheidung für die neuen Bahnen die einzig Richtige“, sagt KVG-Vorstandsvorsitzender Andreas Helbig. Er ist vollkommen sicher, dass die gewaltige Investition über 25 Jahre gesehen auch wirtschaftlich und sinnvoll ist.

Mehr über die Geschichte der Straßenbahn in Kassel finden Sie im Regiowiki.

Mit den neuen Trams werden die alten Hochflurbahnen aus dem Verkehr gezogen, obwohl deren nostalgischer Wert und Robustheit unbestritten seien, erklärt der KVG-Chef. Der Einstieg über hohe Stufen genüge aber heute den Ansprüchen der Fahrgäste nicht mehr. Bereits seit Anfang der 1990-er Jahre setzt die KVG auf bequemen Ein-und Ausstieg.

Die Sanierung der 22 alten Hochflurbahnen hätte über 30 Millionen Euro verschlungen. „Kosten und Nutzen standen in keinem akzeptablen Verhältnis“, sagt Helbig. Die Bahnen hätten zudem keine Klimaanlage und Platz für jeweils nur 140 Fahrgäste gehabt. Eine neue Bahn bietet 176 Plätze.

15 aus 1991 stammende Trams der insgesamt 25 Bahnen der ersten Niederflurgeneration will die KVG grundlegend sanieren und weiter nutzen. Das kostet eine Million Euro pro Bahn, auch dafür braucht die KVG Kredite. Die Frischekur macht die KVG selbst, „damit lasten wir auch unsere Werkstätten optimal aus“, sagt Werkstatt-Chef Karsten Kamutzki. Die weiteren zehn Niederflurtrams des Baujahres 1994 sind noch in einem besseren technischen Zustand. Ob sie ebenfalls saniert werden, steht noch nicht fest.

Von Jörg Steinbach

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