Polizei will zusammen mit Fans Gewaltbereitschaft bei Fußballspielen eindämmen

Gewalt beim Fußball: Polizei sprach mit Fans

Gewalt beim Fußball: Polizei will mit Fans sprechen

Kassel. Frankfurter Verhältnisse nehmen sich Nordhessen meist nur ungern zum Vorbild. Doch die Idee zum Halbzeitgespräch hat sich Carsten Decker, Leiter der Bundespolizeiinspektion Kassel, in Südhessen abgeschaut.

Dort treffen sich Vertreter von Fußball-Vereinen, Fans, Bundespolizei und Landespolizei zu regelmäßigen Gesprächsrunden. Decker hatte kürzlich zum ersten Halbzeitgespräch in Kassel eingeladen.

Gemeinsames Ziel sei es, die Gewaltbereitschaft bei Fußballspielen einzudämmen, sagte Decker. Ihm schwebt vor, nach dem Ende einer jeden Halbserie mit Vertretern des KSV, von Fan-Gruppen und der Kasseler Polizei Bilanz zu ziehen und vorauszuschauen. „Eigentlich wollen doch alle, dass Fußballspiele friedlich ablaufen“, sagte Decker.

Im Zentrum aller Versuche dazu müsse die Ächtung von Gewalt stehen. Den harten Kern werde man mit dieser Botschaft vermutlich nicht erreichen, vermutete Decker. „Aber wenn sich normale Fans von gewaltbereiten distanzieren, haben wir schon viel erreicht.“

Wie wichtig Gespräche mit allen Beteiligten im Vorfeld seien, zeige die Statistik der Bundespolizeiinspektion Kassel. Allein in der vergangenen Hinserie habe es 36 Einsätze gegeben, weil entsprechende Gefährdungsprognosen vorlagen. In der kompletten vorangegangenen Saison 2008/2009 habe es nur 45 Einsätze gegeben. Im Hinblick auf die komplette Saison 2009/2010 rechnet Decker mit einem deutlichen Anstieg.

Zitat

„Wenn sich normale Fans von gewaltbereiten distanzieren, haben wir schon viel erreicht.“ Carsten Decker, Leiter Bundespolizei Kassel

Längst nicht in allen Fällen sind Kasseler Fans Auslöser für Polizeieinsätze. Die Inspektion liege nun mal mitten in Deutschland, sagt Decker. Deswegen hätten die Kasseler Bundespolizisten häufig mit Anhängern anderer Vereine zu tun, die durch die Region reisen oder hier umsteigen.

Ein immerwährendes Problem sei der Alkoholkonsum, sagt Decker. Mit jeder Flasche Bier sinke bei Problem-Fans die Hemmschwelle, gewalttätig zu werden. Ordnungskräfte hätten nichts gegen Alkoholgenuss vor und während der Fußballspiele. Viel zu oft komme es aber zu Alkoholexzessen mit den entsprechenden Folgen. Durch Feuerwerkskörper waren in der abgelaufenen Hinserie drei Beamte der Bundespolizeiinspektion verletzt worden.

Decker möchte auch erreichen, dass Ordnungskräfte möglichst auf Maßnahmen wie vorbeugende Durchsuchungen verzichten können. Das treffe immer auch unschuldige und friedliche Fans. Wichtiges Glied in der Kette seien dazu die szenekundigen Beamten.

„Wir versuchen viele Konflikte schon im Keim zu ersticken“, sagte Wolfgang Denk, fankundiger Beamter bei der Bundespolizeiinspektion Kassel. Allein durch den unmittelbaren Kontakt lasse sich vieles unterbinden.

Von Claas Michaelis

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