Aussage in dieser Woche vor dem Oberlandesgericht in München

Kasseler Neonazi Bernd T. mit NSU-Verbindung?

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Muss als Zeuge im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München aussagen: Der Kasseler Neonazi Bernd T. hat behauptet, Kontakt zu Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gehabt zu haben.

Kassel. Kürzlich wurde der Kasseler Neonazi Bernd T., Gründer der „Kameradschaft Sturm 18“ und Vorsitzender des gleichnamigen Vereins, wegen Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung und Nötigung zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt.

Am Mittwoch und Donnerstag, 11. und 12. Februar, muss der 40-Jährige wieder vor Gericht erscheinen, nicht als Angeklagter, sondern als Zeuge im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) München. Grund: Der Neonazi aus der Kasseler Nordstadt könnte möglicherweise etwas mit dem Mord an Halit Yozgat beziehungsweise mit seinen mutmaßlichen Mördern zu tun haben. Das vermutet zumindest der Hamburger Rechtsanwalt Thomas Bliwier, der im NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe und vier weitere Unterstützer des Nationalsozialistischen Untergrunds die Familie Yozgat vertritt.

Halit Yozgat war am 6. April 2006 in seinem Internet-Café an der Holländischen Straße in der Nordstadt erschossen worden. Täter sollen die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gewesen sein, die sich selbst getötet haben.

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Der Neonazi Bernd T. hat selbst lange in der Nordstadt gewohnt. Kurz nachdem das Netzwerk um die NSU-Terroristen aufgeflogen war, soll er im Dezember 2011 dem hessischen Verfassungsschutz angeboten haben, „Informationen über diverse Netzwerke“ zu beschaffen. Als Gegenleistung habe er angeblich eine schnelle Haftentlassung gefordert.

Bernd T. soll unter anderem behauptet haben, im April 2006 Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Kassel vom Bahnhof abgeholt und mit ihnen ein Konzert einer Skinhead-Band besucht zu haben. Das soll kurz vor der Ermordung Halit Yozgats geschehen sein. Zudem soll Bernd T. ausgesagt haben, er könne mitteilen, zu welchen weiteren Personen Mundlos und Böhnhardt in Kassel Kontakt vor der Tat gehabt hätten, wo sie zum Beispiel übernachtet hätten.

War das alles nur Angeberei oder ist Bernd T. ein Mitwisser gewesen? Die Ermittler sollen damals jedenfalls große Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Kasseler Neonazis gehabt haben. Es sollen Anhaltspunkte vorgelegen haben, dass Bernd T. „wissentlich falsche Angaben“ gemacht habe.

Solche Aussagen über den NSU sollen ab Ende 2011 in Mode gekommen sein. Dem Vernehmen nach haben sich plötzlich verschiedene Inhaftierte bei der Polizei gemeldet und behauptet, etwas über den Mord an Halit Yozgat preisgeben zu können.

Viele dieser Informanten hätten sich dadurch wohl eine Verkürzung ihrer Gefängnisstrafe versprochen. Es hätten sich aber keine Anhaltspunkte ergeben, dass an diesen Behauptungen irgendetwas dran gewesen sei, ist aus Ermittlungskreisen zu hören.

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