Kasseler Neonazi-Opfer: Debatte um die Halit-Straße geht weiter

Kassel. Wird die Holländische Straße zum Gedenken an Halit Yozgat umbenannt? Die Diskussion dauert schon eine Woche – ein Ergebnis ist nicht in Sicht. Die Stadt Kassel hält sich alle Optionen offen und will „mit allen Beteiligten“ sprechen.

Dazu soll auch derjenige gehören, der den Wunsch erstmals öffentlich geäußert hat: Ismail Yozgat, Vater des von Neonazis ermordeten Halit, bat bei der zentralen Gedenkveranstaltung in Berlin, die Holländische Straße möge den Namen seines Sohnes tragen.

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Für Oberbürgermeister Bertram Hilgen kam die Bitte nicht überraschend. In einem privaten Gespräch habe die Familie sie schon einmal geäußert, sagte Hilgens Büroleiter Manfred Merz gegenüber der HNA. Aber dass Ismail Yozgat den Wunsch an so prominenter Stelle wiederholte, „hatte schon eine andere Qualität“.

Nun wird diskutiert, öffentlich und im Magistrat. Dass eine Umbenennung der Holländischen Straße, einer der längsten Kassels, besondere Probleme birgt, war sofort klar. Das Motiv der Familie sei aber sehr gut verständlich, sagte Merz. Auch die Stadt wolle einen Ort, der geeignet sei, um das Ziel zu erreichen, „zu mahnen, zu erinnern und ein Zeichen des Widerstands gegen Rechtsradikalismus zu setzen“, sagte Merz.

Deshalb werde die Holländische Straße derzeit genauso wenig ausgeschlossen wie alle anderen Vorschläge, die sowohl den Ort wie auch die Form des Gedenkens betreffen. Welche das sind, wollte Merz nicht kommentieren.

Eine Idee, die der Magistrat bespricht, wurde inzwischen bekannt: Der Henner-Piffendeckel-Platz an der Kreuzung von Holländischer und Mombachstraße liegt wenige Meter vom Internetcafé entfernt, wo Halit Yozgat ermordet wurde. Der Platz könnte nach ihm benannt werden. Zu den Befürwortern gehört Wolfgang Matthäus, Leiter der Geschichtswerkstatt der Albert-Schweitzer-Schule. Sein Argument: Henner Piffendeckel war das literarische Pseudonym des Reichskanzlers Philipp Scheidemann, dem in seiner Heimatstadt aber noch ein weiterer Platz gewidmet ist.

Auch ein weiteres Vorhaben steht noch ganz am Anfang: Hilgen hat angekündigt, den sechs anderen Städten, in denen die Neonazis gemordet hatten, vorzuschlagen, eine gemeinsame Form des Gedenkens zu finden. Dazu gehören Dortmund, Hamburg, Heilbronn, München, Nürnberg und Rostock. Grundsätzliches Interesse sei bei allen vorhanden, sagte Merz. Viel mehr sei aber bisher noch nicht klar. Form und Ort seien offen, und auch, ob das spezielle Gedenken an Halit Yozgat damit verbunden wird. (mcj)

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