Kasseler NSU-Opfer

Stadt Kassel plant neues Format für Yozgat-Gedenken

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Solidaritätsbekundung zum Anstecken: ein Button zur Erinnerung an Halit Yozgat. Das Foto entstand am 6. April bei der Gedenkveranstaltung zum 12. Todestag des NSU-Opfers in Kassel. Dieser fand ohne die Stadt und ohne Familie Yozgat statt.

Kassel. Eine andere Art Gedenkfeier für das NSU-Opfer Halit Yozgat schwebt der Stadt Kassel vor. Zunächst soll der Vorschlag mit der Familie Yozgat besprochen werden.

Die Stadt Kassel will und wird sich wieder an den Gedenkfeiern für Halit Yozgat beteiligen. Dies hat Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) versichert. Man denke über ein neues und anderes Format für die Veranstaltung nach, mit der jährlich an den am 6. April 2006 im Alter von 21 Jahren getöteten Kasseler erinnert wird, sagte der OB am Montagabend in der Stadtverordnetenversammlung.

Halit Yozgat war vor zwölf Jahren in seinem Internetcafé an der Holländischen Straße mutmaßlich von der rechtsextremen terroristischen Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) erschossen worden. Der Kasseler gilt als das neunte und jüngste Opfer der Mordserie dieser Rechtsterroristen.

Sicherheitsbedenken bei Gedenkveranstaltung

An der Gedenkveranstaltungen zum zwölften Jahrestag des Mordes hatten sich vor wenigen Wochen die Stadt und die Familie Yozgat wegen Sicherheitsbedenken nicht beteiligt. Dazu eingeladen hatte die Kasseler Initiative 6. April. Rund 300 Menschen nahmen an der Schweigeminute auf dem Halitplatz teil.

Ob sich die Stadt an den Halit-Yozgat-Gedenkkundgebungen künftig wieder – mit Einbezug oder in Kooperation mit Kasseler Initiativen – beteiligen werde, wollte Ilker Sengül von der Kasseler Linke am Montag in der Stadtverordnetensitzung wissen. Die Stadt Kassel habe sich bereits Gedanken über ein neues Format für die Veranstaltung gemacht, berichtete Oberbürgermeister Geselle. Der Vorschlag solle aber zunächst intern mit der Familie Yozgat besprochen werden. Geplant sei eine klare Darstellung der Stadt gegen jede Form von Rechtsradikalismus und Antisemitismus. Mehr könne er aber noch nicht dazu sagen, betonte Geselle auf die Nachfrage von Ilker Sengül hin.

Wie berichtet, war die Entscheidung der Stadt, in diesem Jahr nicht an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen, auch auf Kritik gestoßen. Doch blieben die Eltern des Opfers, Ayse und Ismail Yozgat, der Veranstaltung ebenfalls fern, weil sie den „Charakter und würdigen Rahmen“ bedroht sahen.

Brandanschlag auf Moschee

Grund für die Absage der Stadt und der Familie Yozgat waren die bundesweiten Anschläge auf türkische Einrichtungen, die im Zusammenhang mit der türkischen Militäroffensive auf die Stadt Afrin in Nordsyrien standen. Ende März, als wenige tage vor dem Jahrestag, hatte es in Kassel einen Brandanschlag auf ein türkisches Moschee-Gebäude an der Bunsenstraße gegeben – unweit des Halitplatzes in der Nordstadt.

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