Noch keine Nutzung für das Baudenkmal von 1930 in Sicht – Masterplan Ost soll die Lösung bringen

Hallenbad Ost bröckelt weiter - Masterplan Ost soll Lösung bringen

Am Hallenbad Ost nagt der Zahn der Zeit: Großflächig hebt sich inzwischen der Beckenbelag vom Untergrund ab. Schlimmer aber ist das sanierungsbedürftige Dach, das mittlerweile so marode ist, dass es keine Nutzung des Gebäudes mehr zulässt. Fotos : Fischer

Kassel. Still modert das Hallenbad Ost im Schatten alter Linden vor sich hin. In Sachen Entwicklung, Sanierung, Umnutzung tut sich nichts. Das altehrwürdige Gebäude an der Leipziger Straße, 82 Jahre alt, steht inzwischen fünf Jahre leer und ist dem Zerfall preisgegeben – und ein Ende ist nicht abzusehen.

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Auch die Städtischen Werke als Eigentümer des Baudenkmals aus den 1930er-Jahren wissen nicht weiter. „Alles steht und fällt mit der Sanierung des Gebäudes“, sagt Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke. Das Hallenbad ist so, wie es ist, definitiv nicht mehr nutzbar. „Probleme macht das Dach. Wir müssen es sichern, damit keine Steine runterkommen“, sagt Pijanka. Derzeit gehe es nur um den Erhalt des Gebäudes.

Ideen für eine vernünftige Verwendung seien schon viele gekommen. „Die meisten Anfragen gingen in Richtung einer kulturellen oder gewerblichen Nutzung – als Ort für Veranstaltungen, Bürogebäude, Fitnessstudio.“ Der beste Vorschlag sei immer noch der der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) gewesen. Hier war geplant, die Umkleideräume für Straßenbahn- und Busfahrer nutzbar zu machen. Aber auch das sei gescheitert.

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„Es sind schlicht die Sanierungskosten, die allem einen Strich durch die Rechnung machen“, sagt Pijanka. Je nachdem, was geplant sei, müssten Millionen-Beträge aufgebracht werden, gerade auch mit Blick auf den Denkmalschutz. Da nütze auch kein Idealismus. So werde wohl auch der jüngste Vorschlag zweier Studentinnen scheitern, das Gebäude als Skaterhalle zu nutzen. „Woher soll das Geld allein für die Sicherung des Gebäudes kommen?“, fragt Pijanka.

Doch beschäftigt die Situation des Hallenbades Ost auch immer wieder die Politik. Im Entwicklungsausschuss forderte die CDU kürzlich, ein Nutzungskonzept für das Hallenbad Ost zu erstellen.

Wie im Museum: Ein alter Spucknapf schmückt den Flur zur Schwimmhalle.

Grundsätzlich wurde das Anliegen begrüßt, in jedem Fall wird der Magistrat nun Gespräche mit der Denkmalschutzbehörde, den Städtischen Werken und der Wirtschaftsförderung führen, um nach einer Lösung zu suchen. Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) sieht aber mehr Entwicklungschancen mit Blick auf den Masterplan Ost, der in anderthalb Jahren zu Ergebnissen führen soll. Der Vorteil: Das Entwicklungskonzept ist deutlich weiträumiger angelegt, als es ein Einzelkonzept zu leisten vermag. So berücksichtigt der Masterplan verschiedenste Einfluss-, Standort- und Entwicklungfaktoren, die die vier Stadtteile Bettenhausen, Forstfeld, Waldau und Unterneustadt bereithalten. „Eingebettet in das Ganze könnten sich Synergien ergeben“, sagt Dieter Beig (Grüne).

Aber ob sich Synergien tatsächlich einstellen, ist längst nicht sicher. Sicherheit bringt nur ein Investor mit viel Geld und einer starken Idee im Gepäck, die alle vorhandenen Schwierigkeiten aufwiegt.

Von Boris Naumann

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