Hallenbad Süd: Glatte Fliesen mit Säure behandelt - Versuch scheiterte

Kassel. Noch sind die Fliesen im Hallenbad Süd für ein Schwimmbad zu rutschig. Und das, obwohl sie am Montagnachmittag mit einer speziellen Säure behandelt wurden. Dieser Versuch scheiterte.

„Der Wert muss mindestens bei 0,5 µ liegen“, sagt Gutachter Hans-Achim Grahmann, nachdem er am Montag gegen 19 Uhr - nach der Säurebehandlung - die erste Messung im Hallenbad Süd vorgenommen hatte.

Lesen Sie auch

Der Gleitreibungsfaktor betrage erst 0,34 µ, liest der Gutachter von dem Messgerät ab. Gegen 20 Uhr bricht der Gutachter den Versuch ab. Mit diesen Werten könne er kein grünes Licht dafür geben, dass das Bad wieder geöffnet werden kann. „Wir sind alle extrem enttäuscht“, sagt Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke. Jetzt würden lose Fliesen, die ebenfalls mit Flusssäure bearbeitet worden sind, in einem Labor geprüft.

Ende der Woche stehe dann fest, wie man weiterverfahren könne, um das Bad wieder sicher zu machen. Roland Stoll, Stefan Mehr und Victor Tissen von der Firma Stonegrip aus Pfedelbach (Baden-Württemberg) hatten gestern Nachmittag die Fliesen mit Flusssäure bearbeitet. Mit Wischmopps trugen die Fachleute die stark verdünnte Säure zuerst auf die Fliesen aus Steinzeug auf. Je intensiver gewischt werde, desto schneller könne die Säure reagieren. „Durch das Wischen wird der chemische Prozess unterstützt“, sagt Stoll.

Wie Aquaplaning

 Sein Kollege Mehr erklärt, was passiert, wenn die streng riechende Säure auf den Boden aufgetragen wird. „Wie ein Maulwurf gräbt die Säure kleine Löcher, eine Art Stollen, in die Fliesen. In diesen Poren kann das Wasser verschwinden.“

Alles über das Hallenbad Süd in unserem Regio-Wiki

Wenn die Poren der Fliesen durch Schmutz oder aus anderen Gründen (zum Beispiel Materialfehler) verschlossen sind, dann bleibe das Wasser auf der Oberfläche. „Das ist dann wie Aquaplaning auf der Autobahn“, sagt Mehr. In dem für sieben Millionen Euro sanierten Hallenbad waren mehrere Badegäste auf den glatten Fliesen ausgerutscht. Unklar sei noch, ob ein Materialfehler oder eine Verwechslung beim Hersteller dafür verantwortlich sind, sagt Stadtwerke-Architekt Karsten Luttrup-Bauer.

Zwei Mitarbeiter des italienischen Herstellers waren extra aus Modena angereist, um sich die fehlerhaften Fliesen anzuschauen. Nachdem die Säure wenige Minuten die Fliesen angeätzt hatte, wurde sie abgesaugt. Dass die hoch verdünnte und aggressive Flüssigkeit nicht direkt in die Kanalisation läuft, diese Bedingung hätte der Kasseler Entwässerungsbetrieb (KEB) gestellt, sagt Luttrup-Bauer. Die KEB-Mitarbeiter befürchteten, dass die Flusssäure ansonsten den Kalk aus den Rohren lösen könnte.

 Daher wurde die aufgesaugte Säure zunächst mit Kalkmilch neutralisiert. „Wir werden oft in Schwimmbäder gerufen, um Fliesen anzurauen. Auch deutsche Hersteller greifen manchmal ins falsche Regal“, sagt Stoll mit Blick auf die italienische Firma. Wann das Bad in Oberzwehren wieder geöffnet werden kann, ist derzeit noch völlig unklar. Die Städtischen Werke würden das erst dann machen, wenn ein entsprechendes schriftliches Gutachten vorliege, sagt Pijanka.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.