Die hessenweit ersten zertifizierten Herzsport-Stunden gab es in einem Kasseler Verein

Herzsport-Stunde seit 1976: Ein Halt für Herzkranke

+
1976: Herzsport-Übungsstunde der Älteren Casseler Turngemeinde.

Kassel. „Menschen mit Herzproblemen trauen sich oft nicht, alleine Sport zu machen. Hier können sie unter Aufsicht aktiv sein“, sagt der ehemalige Internist Dr. Dieter Kellermann.

Er war 37 Jahre lang neben der Arbeit in seiner Praxis betreuender Arzt beim Herzsport der Älteren Casseler Turngemeinde (ACT). Nun wurde er verabschiedet.

Bei den Herzsport-Stunden der ACT machen Herzgeschädigte Übungen zur Kreislaufbelastung und werden dabei von aktuell sechs Übungsleitern und einem Arzt betreut. Sie lernen, ihre Belastbarkeit einzuschätzen. Der Sport sei wichtig, um das Herz zu mobilisieren, sagt Kellermann.

Vor 40 Jahren war die ACT hessenweit der erste Sportverein, der zertifizierte Herzsport-Übungsstunden anbot. Die Zertifizierung erfolgt durch den Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband. Nach speziellen Lehrgängen erhielten drei Mitglieder der ACT die Lizenz zu Herzsport-Übungsleitern. Dazu zählt Klaus-Dieter Constantin, der heute für die Verwaltung der ACT zuständig ist. „Am Anfang hatten wir Bedenken, ob es klappt, weil wir auf dem Gebiet des Herzsports noch unerfahren waren. Aber es funktioniert bis heute sehr gut“, sagt Constantin.

Mithilfe der finanziellen Unterstützung unter anderem vom Hessischen Sozialministerium wurden damals Notfallgeräte im Wert von 35 000 Mark (17 500 Euro) angeschafft. Am 10. Mai 1975 fand die erste Übungsstunde mit acht Sportlern, drei Übungsleitern und einem betreuenden Arzt statt. Ohne ärztliche Aufsicht darf der Herzsport nicht stattfinden.

Nur auf Verordnung

2007: Übungen mit Bällen beim Herzsport der ACT. Foto:  Privat

Patienten mit Herzproblemen werden nach einem Krankenhausaufenthalt für kurze Zeit in Reha-Kliniken behandelt. Dort wird häufig empfohlen, auch im Anschluss weiterhin Reha-Sport zu machen. Um an zertifizierten Angeboten, wie dem Herzsport der ACT, teilnehmen zu können, ist eine Verordnung vom Arzt erforderlich. Über die Renten- oder die Krankenversicherung erhalten Herzgeschädigte dann zeitlich begrenzt Zuschüsse für den Reha-Sport. Bei der ACT können Patienten auch weiterhin beim Herzsport mitmachen, wenn die Verordnung abgelaufen ist, müssen dann aber Vereinsmitglied werden und Mitgliedsbeiträge zahlen.

Die weniger belastbaren Patienten kommen freitags von 17 bis 19 Uhr und die stärker belastbaren samstags von 10 bis 12 Uhr in die Emil-Junghenn-Halle an der Ysenburgstraße 17. In den Sommerferien wird draußen am Freizeitgelände Auedamm trainiert. „Viele der Reha-Sportler haben vorher keinen Vereinssport gemacht. Hier finden sie Halt “, sagt Dieter Kellermann.

 Momentan gibt es nur einen betreuenden Arzt. Daher sucht die ACT dringend nach weiteren Ärzten und Herzsport-Übungsleitern. Kontakt Klaus-Dieter Constantin: 05665 4164

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.