Ver.di beklagt Dumpinglöhne – Einkommen von Verkäuferinnen in Kassel liegen oft unter Armutsgrenze

Handel schweigt zu Tarifstreit

Noch ist es zu keinen Ergebnissen bei den Tarifverhandlungen im Handel gekommen – mit Warnstreiks in Kassel, so wie bereits am 1. Juni, ist also weiterhin zu rechnen. Archivfoto: Zgoll

Kassel. Am Montag steht die dritte Tarifrunde im Handel auf dem Plan, bis dahin ist auch in Kassel mit weiteren Warnstreiks zu rechnen. Bereits am 1. Juni hatte es eine Protestaktion von 120 Mitarbeitern von Sinn Leffers und Galeria Kaufhof gegeben.

„Noch nie wurden Tarifauseinandersetzungen mit solcher Härte geführt“, sagt Manuel Sauer, Fachsekretär Handel bei Ver.di Nordhessen. Inzwischen werde sogar Mitarbeitern mit rechtlichen Schritten gedroht, falls sie sich an weiteren Streikaktionen beteiligten, sagt Sauer. „Vor allem die großen der Branche lassen die Muskeln spielen.“

Die Forderungen der Arbeitgeber seien tiefgreifend. „Deren Vorwurf, geltende Tarifregelungen seien zu unflexibel, dient dem Vorwand, gleich den ganzen Manteltarif abzuschaffen“, sagt Sauer. Dabei ließe sich durch Anpassungen der Lohntarife viel gewinnen. „Bricht aber der Manteltarif weg, gehen essenzielle Sicherheiten verloren“, sagt Sauer.

Die Arbeitgeber wollten wirtschaftliche Verantwortung zunehmend auf die Mitarbeiter abzuwälzen. „Nach dem Motto: Wer mehr Lohn haben will, soll auch mehr verkaufen“, sagt Sauer. Dieser leistungsorientierte Faktor führe dazu, dass immer weniger Mitarbeiter von ihrem Bruttogehalt sicher leben könnten.

Von der Arbeitgeberseite war gestern keine Stellungnahme zu bekommen. In einer Erklärung vom 28. März fordert der Handelsverband Deutschland (HDE) eine Aktualisierung der Tätigkeitsbeschreibungen, weniger gute Bezahlung für Geringqualifizierte, die Ausweitung von Tätigkeiten und flexiblere Arbeitszeiten.

Von Boris Naumann

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