Kasseler und Guxhagener

Handwerker bauten Flutopfern im Raum Magdeburg neue Heizung und Bad ein

Helfer und Flutopfer: Tanja Keim, Jens Pieper, Alexander Ritter, Patrick Renner, Oliver Gentzen und René Heere (hintere Reihe von links) haben den Flutopfern geholfen. In der vorderen Reihe steht die Familie, die nicht genannt werden will. Ein Sohn fehlt auf dem Foto.

Kassel. Oliver Gentzen war entsetzt, als er Anfang Juni die Bilder des Hochwassers im Raum Magdeburg sah. Dort waren etliche Ortschaften im wahrsten Wortsinn abgesoffen. „Das hat mir keine Ruhe gelassen. Ich habe noch am selben Abend beschlossen, zu helfen“, erinnert sich der Kasseler Gas- und Wasserinstallateur-Meister.

Baubesprechung: Patrick Renner (links) und Oliver Gentzen beraten, wie es weitergeht.

Aber er wollte nicht einfach ein paar Hundert Euro an eine anonyme Organisation spenden. Also kam ihm die Idee, ganz konkret einer ausgewählten, bedürftigen Familie zu helfen – mit Heiz- und Sanitärtechnik. Die war mit Unterstützung des zuständigen Bezirkschornsteinfegers schnell gefunden. Denn der wusste, wessen Heizungen zerstört und welche Familien die Hilfe besonders nötig hatten, weil sie nicht versichert sind. Er fuhr in die Region, traf sich mit den Flutopfern und machte sich ein Bild von der Situation vor Ort. „Ich war erschüttert. Im Erdgeschoss stand tagelang das Wasser über einen Meter hoch. Heizung und Bad waren komplett ruiniert. Alles musste raus“, erinnert sich der 40-Jährige.

Auf dem Nachhauseweg wurde ihm klar, dass es mit einem neuen Kessel allein nicht getan sein würde. Am nächsten Tag rief er spontan seine vier Mitarbeiter zusammen und fragte, ob sie bereit seien, an einem Wochenende unentgeltlich eine neue Heizungsanlage einzubauen. „Die haben alle sofort zugestimmt“, erinnert sich der rührige Handwerksmeister.

Das Erdgeschoss dieses und vieler anderer Häuser stand tagelang unter Wasser. Fotos: nh

Aber woher das ganze Material nehmen? Gentzen telefonierte tagelang mit Lieferanten und Herstellern und bekam Hilfe von seinem Bekannten Jens Pieper vom Malerbetrieb P & S Creativdesign in Guxhagen. Gemeinsam schnorrten sie das gesamte Material für eine umfassende Renovierung zusammen: Kessel, Brenner, Gastank, Fliesen, Sanitärbedarf, Baustoffe, Farbe, Laminat ... Und am vergangenen Wochenende ging es mit zwei großen Transportern in die Nähe von Magdeburg. Mit dabei sein Team: Tanja Keim, Alexander Ritter, Patrick Renner und René Heere, der sogar seinen Urlaub für die Hilfsaktion unterbrach. Und natürlich fuhr auch Pieper mit.

In nur zwei Tagen wurden Heiztechnik und Bad komplett erneuert, Wände geputzt und gemalert. Gentzen schätzt, dass Material und Arbeit einen Marktwert von bis zu 30 000 Euro haben. Den Namen der Familie will er nicht nennen, auch nicht den Ort. „Weil das dortige Finanzamt auf die Idee kommen könnte, die Spende als geldwerten Vorteil anzurechnen, mit der Folge, dass sie darauf Steuern zahlen muss“, meint Gentzen unter Hinweis auf einen entsprechenden Rat seines Steuerberaters.

„Die Familie hatte die Hilfe bitter nötig, aus eigener Kraft hätte die das nicht geschafft“, so Gentzen. Sie sei völlig perplex gewesen, dass die Helfer nicht nur einen Kessel mitgebracht, sondern die gesamte Heiztechnik und das Bad erneuert hätten. „Ich bin richtig stolz auf mein Team“, sagt er.

Von José Pinto

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