Tag des Handwerks: Innungen warben um Nachwuchs

Der Bart muss ab: Jana Heine (von links) und Silvia Ritter von der Friseurinnung Hofgeismar-Wolfhagen bearbeiteten mit dem Messer vorsichtig die Stoppeln von André Kurzenknabe.

Kassel. Holzbau hat glänzende Aussichten. Jochen Batz und Reiner Arend von der Zimmerinnung können über Auftragsmangel nicht klagen.

Beim Tag des Handwerks auf dem Scheidemannplatz bauten sie am Samstag ein Schaukelhaus für den Kinderbetreuungstreffpunkt Hafen 17. Bislang hätten sie noch immer geeignete Lehrlinge für ihre Betriebe gefunden, sagen die beiden Zimmermeister. „Wir haben nicht so ein Problem wie die Maurer“, sagt Batz.

Weniger Schulabgänger

Doch es sind nicht nur die Maurer, die über mangelnden Nachwuchs am Bau klagen. Die Stellenbörse der Handwerkskammer enthalte viele freie Azubi-Stellen, sagt deren Pressesprecherin Barbara Scholz. Verlässliche Zahlen könne man nicht nennen, weil längst nicht alle Betriebe ihren Bedarf der Börse meldeten. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im Kammergebiet stagniert seit Jahren bei 3000. Die Betriebe bekommen den demografischen Wandel zu spüren, Schulabgänger werden rarer. Viele Betriebe hätten inzwischen begriffen, dass sie um die jungen Leute werben müssen.

Stuckateure am Werk: Die Azubis Jonas Garre (17, links) und Maximilian Lurz (16) zeigten, was man als Verputzer alles lernt. Milena (neun, links) und Maximilian Stiefel (sechs, rechts) durften mitmachen. Fotos:  Dilling

Dabei hilft ihnen eine bundesweite, Millionen Euro schwere Imagekampagne des Handwerks, zu der auch die Ausstellung der Innungen aus der Region auf dem Scheidemannplatz mit zahlreichen Informationsständen und Vorführungen beitrug.

Zu den Bauberufen, die unter mangelndem Interesse angehender Lehrlinge leiden, gehören beispielsweise Stuckateure und Verputzer. „In ganz Hessen gibt es gerade mal zehn Lehrlinge. Das ist extrem traurig“, sagte Innungsobermeister Mark Stiefel, der mit seinem Stellvertreter Jochen Siebert mit selbst gefertigten Herkulesfiguren für diesen Ausbildungsberuf warb. Der Job des Verputzers gelte als anstrengend und schwer, außerdem müssten die Lehrlinge bis Schlüchtern zur Berufsschule fahren. Das schrecke wohl viele ab, sagt Stiefel.

Anspruchsvoller Beruf

Einen Stand weiter zeigt Peter Trebing von der Innung Sanitär, Heizung und Klima für das Publikum dem Auszubildenden Yannick Lerche, wie man eine saubere Schweißnaht hinbekommt. Auch in seinem Handwerksberuf klagt man über mangelnden Nachwuchs. So wenig Resonanz habe es seit Jahrzehnten nicht gegeben, berichtet Trebing. Dabei sei der Beruf des Heizungsbauers „sehr anspruchsvoll“ und spiele für das Gelingen der Energiewende eine große Rolle.

Von Peter Dilling

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