Im Notfall sofort vor Ort

Handwerksbetriebe werben um Verständnis für Wartezeiten

Gefragte Fachkräfte: Sebastian Barthel (vorn) und Jens Hamenstädt von der Sanitär- und Heizungsbaufirma Loth & Sohn aus Vellmar installieren bei der Evangelischen Kreditgenossenschaft in Kassel eine Feuerlöschanlage. Foto: Zgoll

Kassel. Ob Schreiner, Maler oder Installateure – Kassels Handwerksbetriebe haben gut zu tun. Lange warten lassen wollen sie ihre Kunden nach Möglichkeit aber trotzdem nicht.

„Ich bemühe mich schon, zeitnah bei den Kunden zu sein“, sagt Ralf Becker, der in Oberzwehren eine Bau- und Möbelschreinerei betreibt. „Ich komme innerhalb von ein bis zwei Tagen.“ Der kleine Betrieb - ein Geselle, ein Lehrling - sei recht gut ausgelastet, sagt der Chef.

Benjamin Möller von der Firma Truss-Haustechnik beschreibt es so: „Für Arbeiten, die nicht sofort erledigt werden müssen, sollten Kunden eine Wartezeit einkalkulieren. Im Notfall sind wir aber sofort vor Ort.“ Möller spricht von einem „guten Geschäft“ im vergangenen Jahr. Für 2013 ist er ähnlich optimistisch.

Auch die Schreinerei Oetken an der Mönchebergstraße kann sich über mangelnde Aufträge nicht beklagen. „Wir haben sehr gut zu tun“, berichtet Oliver Oetken. Dennoch sei er innerhalb einer Woche beim Kunden. Wenn etwas dringend repariert werden müsse, versuche man, dies noch unterzubringen. „Die Personaldecke ist straff gespannt“, sagt der Chef von fünf Mitarbeitern. Dass nicht immer alles sofort möglich sei, dafür hätten die meisten Kunden auch Verständnis.

Von langen Wartezeiten will Hartmut Prüfer nichts wissen. „Wir sind immer schnell“, sagt der Schreinermeister. Kunden könnten am Tag ihres Anrufs mit einem Besuch rechnen. „Wir sind uns auch nicht zu schade für kleine Arbeiten“, sagt Prüfer. In seinem Betrieb auf der Marbachshöhe arbeiten fünf Gesellen und fünf Lehrlinge.

Nach der Bilanz der Handwerkskammer ist die Zahl der Betriebe im Ausbaugewerbe - sprich Installateure, Maler, Schreiner - in den vergangenen zehn Jahren im Bezirk Kassel um acht Prozent gestiegen. Sie stellen inzwischen ein Viertel aller 16.000 Handwerksbetriebe. Mit 88 Prozent liegt ihre Zufriedenheit mit dem Geschäftsjahr 2012 über der durchschnittlichen Zufriedenheit aller Handwerksgruppen im Bezirk, die bei 81 Prozent liegt. Sorgen bereiten der Branche steigende Preise für Rohstoffe und Energie.

Das sagt die Sanitärinnung

„Die Geschäfte laufen sehr gut“, sagt Uwe Loth, Obermeister der Innung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Kassel. Er habe das Gefühl, dass es 2013 vorerst so weitergehe. Viele der 80 Mitgliedsbetriebe seiner Innung arbeiteten am Anschlag. Normalerweise würden sich die Betriebe mit Mitarbeitern gegenseitig aushelfen, wegen der durchweg hohen Auslastung sei aber jeder auf sein Personal angewiesen. Es fehlten die Fachkräfte am Arbeitsmarkt. Zum Teil könnten Firmen Aufträge nicht annehmen, weil ihnen das Personal fehle. „Wer ein neues Bad will, sollte bis zu zehn Wochen Wartezeit einkalkulieren, bei einem Rohrbruch oder einer Störung sind wir sofort beim Kunden.“ (bal)

Das sagt die Malerinnung

„Die Maler haben zurzeit Kapazitäten frei“, sagt Obermeister Bernd-Peter Doose. Wer sein Treppengeländer oder die Wände neu streichen lassen wolle, müsse nicht lange warten. „Der Maler kann sofort kommen.“ Da Außenarbeiten im Winter wegen der Witterung wegfielen, werbe man dafür, in dieser Zeit Arbeiten im Haus erledigen zu lassen. Manche Betriebe gewährten sogar Winterrabatte. Fassadenarbeiten würden im Sommer erledigt, sagt Doose. Im Winter stünden Innenarbeiten an. Die Maler- und Lackiererinnung Kassel vertritt 60 Betriebe in Stadt und Altkreis Kassel. (els)

Das sagt die Schreinerinnung

„Die Auftragslage ist allgemein gut“, sagt Obermeister Frank Baum. Er führt dies auch auf die Image-Kampagne der Branche zurück. „Handwerk macht sich auf Dauer bezahlt“, sagt Baum. Diese Botschaft sei angekommen. Ab und zu sei aber Geduld gefragt. Kleinere Aufträge würden schon mal geschoben. Wenn ein Fenster klemme, könne es eine Woche dauern, bis der Schreiner komme. In seinem eigenen Betrieb bemühe er sich, in dringenden Fällen sofort zu kommen. „Ich will schließlich auch, dass der Installateur schnell kommt, wenn in meinem Betrieb die Heizung ausfällt.“ (els)

Von Ellen Schwaab und Bastian Ludwig

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