Handwerkskammer läuft Zeit davon

Umbau Bildungszentrum: 28-Millionen-Projekt ins Stocken geraten

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So soll es aussehen, das neue Bildungszentrum.

Kassel. Für 28 Millionen Euro will die Handwerkskammer Kassel (HWK) ihr Bildungszentrum in Waldau modernisieren. Doch das größte Bauprojekt in der Geschichte der HWK hat bereits vor Baustart mit erheblichen Verzögerungen zu kämpfen. Das Problem:

Das Projekt ist von Fördergeld abhängig und muss bis 2015 abgerechnet sein. Doch seit einem halben Jahr wartet die Handwerkskammer auf eine Baugenehmigung. Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich bestätigt, dass ein Bauantrag im Dezember gestellt wurde, verweist aber auch auf fehlende Unterlagen von Seiten der HWK.

„Wir stehen mit dem Rücken zur Wand vor einer verschlossenen Tür“, sagt Projektleiter Thiemo Glomb. Die Planer sind enorm unter Zeitdruck. Nur wenn sie das Projekt rechtzeitig umsetzen, gibt es Millionen Euro von EU, Bund und Land. „Wir müssen jetzt beginnen, um unsere Finanzmittel nicht zu verlieren“, sagt Glomb.

Nur 2,8 Millionen Euro kann die Kammer ohne Beitragserhöhung für ihre Mitglieder selbst beisteuern. Die Handwerkskammer benötigt die Genehmigung dringend, um mit Ausschreibungen der Arbeiten zu beginnen. Sie hatte eigentlich gehofft, dass die Stadt unbürokratisch entgegenkommt.

„Wir sind irritiert, dass Maßnahmen für die Baugenehmigung relevant sind, die erst in zwei Jahren anstehen“, sagt HWK-Präsident Heinrich Gringel. Beispielsweise müsse man jetzt schon ein Schadstoffgutachten vorlegen für den Abriss der alten Werkstatthalle, der erst in zwei Jahren erfolge.

Die Handwerkskammer ist daher auf eine Alternative ausgewichen: Sie beantragte eine Teilbaugenehmigung. Diese gilt nur für die Arbeiten zur Vorbereitung des Baus und macht es möglich, mit der Ausschreibung zu beginnen. Nach Anfrage der HNA bei der Stadt Kassel kam am Dienstagmittag die gute Nachricht: Die Teilbaugenehmigung ist da.

Von Göran Gehlen

Baubeginn erst im August

Aufträge für 300 000 Euro werden nun ausgeschrieben – Kritik an Stadt Kassel

Das Bildungszentrum an der Kasseler Falderbaumstraße ist Anlaufstelle für Handwerker aus der ganzen Region. Es bietet für die 54.000 Beschäftigten des nordhessischen Handwerks Aus- und Weiterbildungen an. Pro Jahr werden 7500 Teilnehmer geschult.

Damit die Arbeiten am Gebäudekomplex rechtzeitig losgehen, hatte sich die Handwerkskammer Kassel (HWK) zwei Ziele für das erste Quartal dieses Jahres gesetzt: Alle Finanzierungszusagen müssen vorliegen, und es muss Baurecht bestehen.

Doch während das Geld schnell beisammen war, hakte es beim zweiten Punkt. Ursache war nach Einschätzung von HWK-Präsident Heinrich Gringel ein unterschiedliches Verständnis des Begriffs „Baubeginn“: Bei der Stadtverwaltung habe man offensichtlich gedacht, dass sofort die Bagger losrollen, für die Handwerkskammer gehe es zunächst nur um den „fördertechnischen Baubeginn“. Die Kammer hatte gehofft, mit der Ausschreibung bereits beginnen zu können und alle nötigen Unterlagen später – aber noch vor dem Anrollen der Bagger – nachzureichen.

„Überbürokratisch“ nennt beispielsweise Bernd Peter Doose (CDU), Vorstandsmitglied der HWK, das Verhalten der Stadt. Die Verzögerungen trieben ihm „den Angstschweiß auf die Stirn“. „Wir haben das Verfahren schnellstmöglich bearbeitet“, sagt dagegen Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich. Zudem komme man der Handwerkskammer entgegen, indem die für die Teilbaugenehmigung noch fehlende geprüfte Statik erst später vorzulegen sei.

Nun wird mit dem Ausschreibeverfahren begonnen. Die Arbeiten werden in die Hessische Ausschreibungsdatenbank aufgenommen. Firmen aus Europa können sich darum bewerben. Der Umfang der ersten Arbeiten ist mit 300 000 Euro relativ gering. Dabei geht es um Bauvorbereitungen wie die Errichtung einer Baustraße. (gör)

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