Handwerksserie: Familiengeführtes Putz- und Stuckgeschäft Luckey besteht seit 113 Jahren

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Luckey-Mitarbeiter im Einsatz: Thomas Steube (von links) und Meister Michel Kuß-Schönzart bei ihrer Arbeit an der Straße Kurze Erlen 10 in Kassel. Ihr Betrieb besteht seit 113 Jahren. 

Das Handwerk ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige überhaupt. Auch in der Stadt Kassel ist die Branche mit 1934 Betrieben und 8700 Beschäftigten traditionell stark - und vielseitig. In einer kleinen Serie stellen wir in den nächsten Wochen und Monaten einige von ihnen vor.

Tradition und Moderne: Für die Heinrich Luckey GmbH ist dieser mitunter überstrapazierte Slogan keine reine Worthülse, sondern gelebter Alltag. Denn der 1902 an der Holländischen Straße gegründete, später in die Frankfurter Straße umgesiedelte und seit 1964 im Glöcknerpfad ansässige Betrieb pflegt die alte Handwerkskunst des Stuckateurs und bietet gleichzeitig die gesamte Palette des zeitgemäßen Innen- und Außenputzes einschließlich energetischer Sanierung mit neuartigen Materialien und modernen Maschinenparks an.

Ludwig Luckey

Wo immer kunstvoller Stuck, aufwendige Ornamente und Schmuckelemente saniert oder erneuert werden müssen, ist Ludwig Luckey, der Chef des Betriebs in dritter Generation, mit seinen Leuten nicht weit. Denn in Kassel und Umgebung gibt es nach Angaben des 83-jährigen Stuckateurmeisters gerade zwei Betriebe. In ganz Nord- und Osthessen gehen laut Handwerkskammer Kassel nur noch 55 Firmen diesem kreativen Handwerk nach.

„Stuck ist selten und teuer, das kann sich nicht jeder leisten“erklärt Luckey, der in Habichtswald-Ehlen lebt. Der Beruf verlange sehr viel Geschick und eine künstlerische Ader. In besonders kniffligen Fällen legt der Senior noch selbst mit Hand an, obwohl er je einen Stuckateurmeister und -gesellen beschäftigt. Referenz-Objekte sind die Matthäuskirche in Niederzwehren und die Lutherkirche in der Innenstadt sowie das Kavalierhaus am Schlosspark, die Stadthalle, das Rathaus, zahlreiche Jugendtstilhäuser im Vorderen Westen und natürlich eine Reihe von Projekten in Nordhessen und auch darüber hinaus.

Aber die kunstvollen Stuckarbeiten sind nur eine Nische. Das Hauptgeschäft des 17-Mann-Betriebs ist das Putzen, und das läuft angesichts hoher Energiekosten und null Zinsen auf Hochtouren. „Wir kommen kaum nach“, sagt Luckey. Er könnte weit mehr Aufträge annehmen, wenn es denn gute Leute gäbe. „Aber der Markt ist wie leergefegt“, bedauert Luckey, der viele Jahre Innungsobermeister und Mitglied des Meisterprüfungsausschusses war.

Immerhin: Es gibt eine Nachfolgeregelung. Mit Enkel Daniel Heinrich Luckey, der noch studiert, steht die betrieblich vierte und biologisch sogar fünfte Generation in den Startlöchern.

Stuckateur

Ausbildungsdauer:  3 Jahre

Ausbildungsgehalt: 1. Jahr 708 Euro brutto, 2. Jahr 1088 Euro, 3. Jahr: 1374 Euro

Einstiegsgehalt: ca. 2400 Euro

Ecklohn (einige Jahre Berufserfahrung): ca. 3000 Euro.

Hintergrund

Das Handwerk beschäftigt in Nord- und Osthessen in 16.200 Betrieben mehr als 90.000 Mitarbeiter. Sie setzten 2014 gemeinsam 8,22 Milliarden Euro im Jahr um, davon 819 Millionen in der Stadt Kassel, wo aktuell 997 junge Menschen einen der insgesamt 94 Handwerksberufe erlernen.

Die Branche, die mit fünf Mio. Mitarbeitern jährlich 500 Mrd. Euro umsetzt, ist auch bundesweit eine echte Größe. Zum Vergleich: Die Industrie beschäftigt acht Mio. Menschen, davon fast eine Mio. im Maschinenbau, 750.000 im Autobau sowie 550.000 in der Chemie- und Pharma-Industrie.

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