Forschungprojekt der Uni Kassel

Handy-App lotst Autofahrer auf die grüne Welle

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Mit der App auf der grünen Welle rollen: Felix Rudolph, Doktorand am Fachgebiet Verkehrstechnik der Uni Kassel, präsentiert den Prototyp des Ampel-Assistenten an der Altmarktkreuzung.

Kassel. Viele Autofahrer sind genervt vom häufigen Halten an roten Ampeln im Stadtverkehr.

Forscher der Uni Kassel haben in Zusammenarbeit mit dem städtischen Straßenverkehrsamt jetzt eine Handy-App entwickelt, die Autofahrern öfter zur grünen Welle verhelfen kann.

Dafür wird die Handy-Anwendung (App) mit Daten aus der Ampelsteuerung gefüttert.

Die App, die mit einem Navigationssystem fürs Auto kombiniert ist, teilt dem Fahrer frühzeitig mit, ob die nächste Ampel bei Grün zu erreichen ist. Dadurch kann der Autofahrer sein Fahrverhalten so anpassen, dass unnötige Brems- und Beschleunigungsvorgänge vermieden werden, erklärt Prof. Dr. Robert Hoyer, Leiter des Fachgebiets Verkehrstechnik und Transportlogistik. So lasse sich nicht nur Sprit sparen, sondern auch der Ausstoß von umweltschädlichen Abgasen sowie der Verkehrslärm reduzieren. Zudem könne das Ampel-Navi zu einem verbesserten Verkehrsfluss beitragen.

Der Prototyp der App wurde auf einer Strecke mit 27 Ampeln im Kasseler Stadtgebiet erfolgreich getestet. Nun hoffe man, dass die Entwicklung in den nächsten Jahren auch auf den Markt gebracht werde. Es gebe bereits erste Interessenten aus der Wirtschaft.

Von dem Projekt, das Teil der vom Bund mit 40 Mio. Euro geförderten Forschungsinitiative Urban ist, profitieren Kassels Autofahrer aber auch jetzt schon. Die Stadt hat dafür eine neue Art des Verkehrsdaten-Managements aufgebaut. Sie gibt jetzt aktuelle Informationen über Baustellen, Sperrungen und das Verkehrsaufkommen in der Stadt sowie die Belegung der Parkhäuser an eine zentrale Plattform weiter, die Navi-Dienstleister und Rundfunksender versorgt.

Damit ist Kassel neben Düsseldorf und Frankfurt eine der ersten Städte bundesweit, die solche Daten für Autofahrer verfügbar machen. Zudem werden die Forschungsergebnisse dafür genutzt, die Ampelsteuerung in der Stadt zu optimieren.

Navigationssysteme sagen dem Fahrer heute schon, wie er am besten zum Ziel kommt. Über die Ampeln wissen sie allerdings nicht Bescheid. Eine App, die von Forschern der Universität Kassel in Zusammenarbeit mit dem städtischen Straßenverkehrsamt entwickelt worden ist, weiß, wann die Ampeln umschalten, und kann den Autofahrer auf die grüne Welle verhelfen.

Blick auf die App

DIE IDEE 

Wenn Autofahrer wissen, wann die Ampeln auf ihrer Strecke grün sind und wann sie wieder auf Rot springen, ermöglicht das vorausschauendes und stressfreies Fahren, sagt Prof. Dr. Robert Hoyer, Leiter des Fachgebiets Verkehrstechnik und Transportlogistik, unter dessen Leitung die Ampel-App entwickelt wurde. Auch die Umwelt profitiert, weil weniger Lärm und Abgase durch das Bremsen und das Anfahren nach den Stopps entstehen. Der Autofahrer kann zudem Sprit sparen.

DAS PROJEKT

Damit die App – eine Art Ampel-Navi – funktionieren kann, muss sie die Ampel-Umsprünge kennen. Die 215 Ampeln in Kassel schalten nicht nach festen Rhythmen um, sondern werden je nach dem Verkehrsaufkommen gesteuert. Das machte das Forschungsvorhaben kompliziert. Für das Projekt wurde zwischen Auestadion und Dresdner Straße eine Strecke mit 27 Ampeln als Testfeld eingerichtet, erklärt Dr. Thorsten Miltner, Projektbeauftragter im Straßenverkehrsamt: „Die hochdynamischen Schaltdaten dieser Ampeln wurden in einer speziellen Datenbank bei der Stadt in Echtzeit gesammelt und für eine Prognose der Schaltzeiten aufbereitet.“ Den Algorithmus dafür haben wiederum die Forscher der Uni entwickelt. Bis zu fünf Minuten kann die App die Ampelschaltungen vorhersagen.

DIE APP

Die App, die jetzt als Prototyp fertig ist, hat drei Funktionen, erklärt Projektmitarbeiter Felix Rudolph von der Uni. Zum einen den „Grüne-Welle-Assistenten“. Der zeigt dem Fahrer mithilfe eines grünen Teppichs an, ob er die nächste Ampel unterhalb des Tempolimits bei Grün erreichen kann. Der Fahrer sieht die Position seines Wagens auf dem grünen Teppich - oder kurz davor oder dahinter - und kann entsprechend seine Geschwindigkeit anpassen. So spart man sich vergebliches Beschleunigen oder kann das Tempo drosseln, damit das Auto ohne Halt die grüne Ampel erreicht. Wenn es keine Chance gibt, die Ampel bei Grün zu erreichen, greift der „Verzögerungs-Assistent“. Er informiert den Fahrer, dass er mit einer roten Ampel rechnen muss. So kann man frühzeitig vom Gas gehen. Beim Halt vor der roten Ampel wird über die „Restzeitfunktion“ der Countdown gezählt, wann die Ampel grün wird. Man kann also frühzeitig schalten und dann direkt losfahren. So wird keine Sekunde der Grünphase verschenkt.

UNSERE TESTFAHRT

Bei einer Probefahrt zwischen Großem Kreisel und A7-Auffahrt Nord haben wir die App getestet (siehe Video oben). Dabei standen wir auch vor einigen roten Ampeln. Aber wir konnten auch mehrfach das Halten vor der Ampel vermeiden, weil wir dank dem Wissen über die Grünphase im passenden Tempo heranfahren konnten. Fazit: Grüner werden die Ampeln in Kassel nicht durch die App. Aber der Fahrer hat eine größere Chance, auf eine grüne Welle zu kommen.

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