Forscher haben intelligentes Überwachungsprogramm für mobilen Einsatz entwickelt

Handy schützt vor Dieben

Diese Tasche kann man nicht verlieren: Andreas Pirali (links) steckt den Sender und Empfänger eines Headsets hinein. Thomas Hohmann programmiert sein Handy für die Internet-Überwachung des Gepäckstücks. Fotos:  Dilling

Kassel. Das Gedränge im überfüllten ICE ist groß, als er im Bahnhof einläuft und die Passagiere schwer bepackt mit Koffern und Taschen zur Ausgangstür streben. Im Gewühl rutscht einem von ihnen unbemerkt eine kleine Aktentasche mit wichtigen Unterlagen und einer Geldbörse weg.

Da klingelt es laut und vernehmlich: Der Reisende stutzt, greift zu seinem Handy und liest auf dem Display: „Koffer verloren!“. Er geht den Gang zurück: Da liegt die Tasche auf dem Boden. Alles noch mal gutgegangen.

Was wie Zukunftsmusik klingt, ist dank einer Entwicklung des Fachgebiets Kommunikationstechnik der Universität Kassel (ComTec) und der Firma PhoneTec GmbH, einer Ausgründung der Universität, als Zusatzprogramm namens „PT Guard“, eine so genannte App, für viele Handys bereits zu kaufen. Bei der weltweit größten Messe für Informationstechnik (CeBit) in Hannover sorgte es bereits für Furore. Er habe viele Anfragen erhalten, sagt Thomas Hohmann, der Geschäftsführer des vor einem Jahr mit Zuschüssen des Exist-Gründerprogramms gestarteten Software-Unternehmens, das im Auftrag der Industrie maßgeschneiderte Zusatzprogramme für mobile Geräte entwickelt.

Auch im Wissenschaftsbetrieb habe man die Erfahrung gemacht, dass man wichtige Dinge vor allem auf Reisen leicht verlieren kann, erklärt Andreas Pirali, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni und wie Prof. Dr.-Ing.Klaus David vom Fachgebiet Mitinhaber der jungen Firma. Daraus entstand die Idee zu dem nützlichen Alltagshelfer, der nicht nur verhindert, dass man Schlüssel, Portemonnaie oder Koffer verliert, sondern auch Langfingern das Leben schwer machen dürfte. Denn das Handy piepst auch, wenn der Dieb mit der Geldbörse verschwinden will.

Die Überwachung der Gegenstände basiert auf der Bluetooth-Technik: Ein handelsübliches Bluetooth-Sende- und Empfangsgerät, wie das Headset eines Handys, wird in den Koffer und bis zu zwei weitere, zu sichernde Gegenstände gelegt. Das Bluetoothgerät im Koffer steht in Funkverbindung mit dem Handy, welches im Ernstfall Alarm schlägt. Phonetec will noch dieses Jahr ein Bluetooth-Gerät im Scheckkartenformat auf den Markt bringen.

Außerdem sucht die Firma einen industriellen Partner, der hilft, die Technik noch intelligenter zu machen. Beispielsweise müsste der Stromverbrauch des Geräts deutlich gesenkt werden, damit es länger Dienst tun kann. Bisher kann den Stromverbrauch nur der Benutzer manuell am Handy steuern, indem er unterschiedliche Sicherheitsstufen einstellt. Denn wenn sich das Handy ohne Pause mit den zu überwachenden Gegenständen austauscht, ist die Batterie schneller erschöpft.

Info und Kontakt: PhoneTec GmbH, Wilhelmshöher Allee 64-66, Tel. 05 61/473 969 440, www.phonetec.de (dort kann eine Demoversion des „PT Guard“ heruntergeladen werden).

Von Peter Dilling

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