Zwei Männer vor dem Amtsgericht

Handy und Geld in Läden am Stern gestohlen: Einer der Angeklagten gesteht Diebeszüge

Kassel. „Ich habe noch nie geklaut“, behauptete der 31-jährige Algerier auf der Anklagebank des Amtsgerichts und schaute treuherzig zu Richterin Focke auf.

Dabei verbüßt er gerade eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Sein 22-jähriger Kumpane neben ihm wurde sogar wegen schweren Raubes, Diebstahls, Widerstands gegen Polizisten und gefährlicher Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren verurteilt.

Beim gestrigen Verfahren war nur der jüngere geständig. Er räumte ein, im Januar vergangenen Jahres in zwei Geschäften am Stern einer Frau ein Handy entwendet und einer jungen Mutter eine Tasche mit 1600 Euro Bargeld aus dem Kinderwagen gestohlen zu haben.

Bei Frauen entschuldigt

Bei beiden Frauen, die gestern als Zeuginnen aussagten, entschuldigte er sich. Das wirkte aber eher so, als erhoffe er sich damit eine mildere Bestrafung, als dass er von ehrlicher Reue getrieben wäre. 1200 Euro will er noch am selben Abend an Geldspielautomaten am Stern „verzockt“ haben. Etwa 300 bis 400 Euro habe die Polizei sichergestellt, als er am nächsten Tag im Asylbewerberheim am Forstbachweg festgenommen wurde.

Unklar blieb in der Verhandlung das Geschehen am 20. Dezember 2015 im Kulturbahnhof. Die Anklage warf den beiden Männern vor, eine Frau gezielt abgelenkt zu haben, während der andere das Handy aus der Tasche der Frau zog. Diese bemerkte das und schrie sofort um Hilfe, das Handy wurde zurückgesteckt.

Ein junger Mann aus Schwerin stellte einen der flüchtenden Täter und brachte ihn zu Boden. Der sprühte dem Verfolger Pfefferspray ins Gesicht. Sowohl die Frau als auch der mutige Helfer sagten gestern als Zeugen aus, konnten aber die Angeklagten nicht als die Täter erkennen, die den Handydiebstahl versucht hatten. Die seien deutlich jünger gewesen.

Der 31-jährige Angeklagte wiederum räumte ein, sich mit Pfefferspray gegen einen Angreifer gewehrt zu haben. Gestohlen habe er aber nichts.

Beide Männer sind seit rund eineinhab Jahren in Deutschland, der ältere hat sein Asylverfahren abgebrochen. Beide, so die Staatsanwältin, seien mit dem einzigen Ziel nach Deutschland gekommen, um hier Diebstähle zu begehen. Die angeklagten Taten seien nur die „Spitze des Eisberges“. Beide befinden sich im Abschiebungsverfahren und wollen zurück nach Algerien.

Mutige Passanten

Bei ihren Diebstählen bekamen sie es mehrfach mit der Zivilcourage mutiger Passanten zu tun. Als ein Polizist den Jüngeren am Fernbahnhof Wilhelmshöhe verfolgte, stellte ihm eine Frau ein Bein, vier bis fünf Passanten halfen dem Polizeibeamten dabei, den sich mit Tritten und Schlägen wehrenden Angeklagten am Boden zu fixieren.

Die Verhandlung wird am Freitag, 31. März, um 9 Uhr in Saal D 115 mit Zeugenvernahmen und Videos von den Diebstählen fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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