Ehemaliger Chef des Sicherheitsdienstes 24

Bestechung im Gefängnis: JVA-Mitarbeiter und Häftling verurteilt

Statue von Justiza aus Bronze
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JVA-Mitarbeiter schmuggelte Wodka, Handys und Tütensuppe - Jetzt kam das Urteil. (Symbolbild)

Der ehemalige Chef des Vellmarer Sicherheitsdienstes 24 stand erneut vor Gericht. Nun ist das Urteil im Bestechungsfall gefallen.

Update vom Freitag, 11.09.2020, 11.25 Uhr: Vor dem Landgericht Kassel sind nun mehrere Urteile gefallen. Der 39-jährige Tim L. wurde wegen Bestechung eines Vollzugsbediensteten zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Verbunden mit einer früheren Strafe für den ehemaligen Chef des Sicherheitsdienstes 24 in Vellmar (Landkreis Kassel), ergibt sich eine Gesamtstrafe von fünf Jahren und vier Monaten.

Der bestochene Beamte der JVA wurde zu Zehn Monaten Bewährung und einer Geldstrafe von 800 Euro verurteilt. Die heute 28-jährige, ehemalige Ehefrau von Tim L. erhielt ebenfalls eine Strafe. Die seit dem letzten Dezember geschiedene Frau hatte damals das Paket gepackt. Sie wurde deshalb zu einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Ähnlich wie bei Tim L. floss auch das Urteil gegen die zweifache Mutter mit dem früheren Urteil zusammen.

Erstmeldung vom Donnerstag, 03.09.2020, 11.50Uhr: Kassel - Seit 2016 sitzt der 39-jährige Tim L. aus Kassel im Gefängnis, derzeit verbüßt der ehemalige Chef des Vellmarer Sicherheitsdienstes 24 seine Strafe in der JVA Kassel. Gestern standen er, seine 28-jährige Ex-Ehefrau und ein 30-jähriger ehemaliger bediensteter der JVA erneut vor dem Landgericht. Der Vorwurf: Bestechung und Bestechlichkeit und Beihilfe dazu.

JVA-Mitarbeiter bestochen: Handy, Wodka und Tütensuppe gegen Urlaub auf Mallorca

Nach einer Verständigung zwischen den drei Verteidigern und Staatsanwältin Köpf legten alle drei Angeklagten umfassende Geständnisse ab. Danach hatten sich Tim L. und der damalige Justizbeamte auf Probe darauf geeinigt, dass der Bedienstete, der beim Betreten des Gefängnisses nicht kontrolliert wurde, eine Art Care-Paket in den Knast schmuggeln sollte, das die Ehefrau nach den Wünschen von L. zusammengestellt hatte. Als Gegenleistung sollte der Beamte dafür kostenlos Urlaub in L.s Ferienwohnung auf Mallorca verbringen können.

Richter Stanoschek sprach von einem „Rotkäppchenkorb“, in dem allerlei enthalten war: Zwei japanische Handys, Wodka sowie Pfeffer, Maggie, Tabasco und diverse Tütensuppen – im Knast offenbar begehrte und rare Dinge.

Mitte 2017 flogen der Beamte, sein Bruder und zwei Freundinnen denn auch nach Mallorca und machten in der Ferienwohnung des Angeklagten eine Woche Urlaub. Allerdings stand der Beamte da schon unter Beobachtung, er wurde nach seiner Rückkehr an die Arbeit festgenommen. Das Hilfspaket erreichte seinen Adressaten nie.

Bestechung in der JVA Kassel - Bediensteter hat Beamtenstatus verloren

Der JVA-Bedienstete, der inzwischen entlassen wurde und seinen Beamtenstatus verloren hat, sagte gestern: „Ich bin schwach geworden, ich weiß nicht, was mich bei diesem dummen Fehler geritten hat.“

Auch Tim L. hatte bei dem Deal, für den er mit 16 Monaten Einzelhaft bezahlt habe, ein „dummes Gefühl“. Er habe ja schon ein 20 Jahre altes „Knast-Handy“ gehabt und sei eigentlich nicht auf die Telefone im Paket angewiesen gewesen. Zudem habe ihm die Aktion die mögliche Entlassung auf Bewährung nach Verbüßung von zwei Drittel der Strafe verbaut.

Die Verständigung umfasste relativ milde Strafen für alle. Das Urteil soll am Mittwoch nächster Woche fallen. (Thomas Stier)

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