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Hundertjähriger aus Kassel liebt sein Tablet

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Von: Christina Hein

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Heinz Börger, hier mit Lupe und Tablet, lebt im Haus Salem und wird heute 100 Jahre alt.
Fit im Kopf: Heinz Börger, hier mit Lupe und Tablet, lebt im Haus Salem und wird heute 100 Jahre alt. © Christina Hein

Heinz Börger wird heute 100 Jahre alt – und er liebt die IT-Kommunikation. Ohne sein Tablet geht bei ihm nichts.

Kassel – Wie alt soll dieser Mann sein, der da so wach und aufgeräumt in seinem Rollstuhl sitzt und routiniert wie ein Digital Native, also ein junger Menschen, der mit dem Internet aufgewachsen ist, sein Tablet im Griff hat?

Zugegeben, manchmal muss auch Heinz Börger beim Blick aufs leuchtende Display seine Lupe zur Hilfe nehmen, aber das störe ihn nicht. Er könnte ja auch die Schrift größer ziehen. „Das ist einfach ein dolles Ding“, sagt er über sein technisches Schätzchen, das er nicht mehr missen möchte. „Was ich da ein Haufen Zeug drin habe: alle meine vielen Kontakte und 1800 Fotos“, ist er begeistert.

Gefühlt alle zehn Minuten kommt ein Anruf rein oder eine Nachricht. Heinz Börger antwortet souverän und fix. Dem Text ein paar kreative Emojis angefügt – ein Herbstblatt etwa und einen Fuchs – und: abgeschickt. Was das bedeutet? „Es bedeutet schlau wie ein Fuchs“, sagt Börger und grinst wie ein solcher.

Heinz Börger feiert heute seinen hundertsten Geburtstag. Und ist dabei auffallend fit im Kopf. Wer ihm den Umgang mit elektronischen Medien beigebracht hat? „Niemand, ich bin Techniker, weißte“, sagt er.

Für Heinz Börger, der jedem sofort das Du anbietet, war Treue eine wichtige Konstante im Leben. 54 Jahre lang war er mit seiner Frau Gertraud, einer Schneidermeisterin, verheiratet, bis sie 2000 starb. Und 39 Jahre und elf Monate lang hat Börger bei der HNA im Verlag Dierichs gearbeitet, auf verschiedenen Posten: als Fahrer, Schlosser, Vertriebler und Chef der Lagerverwaltung. Die Arbeit habe ihn erfüllt, sagt er. „Emotional hänge ich immer noch an meinem alten Arbeitgeber. Ich war glücklich, mochte meine Kollegen und alle mochten mich.“ Dann fragt er nach diesem und jenem, die schon lange nicht mehr im Verlag arbeiten. „Das war ein feiner Kerl.“ Gelernt hatte Börger, der stolz ist, ein Kasseläner aus der Unterneustadt zu sein, technischer Zeichner bei den Fieseler-Werken.

Auch der Krieg gehörte zu seinem Leben. Er war bei den Fallschirmjägern, erlitt Kriegsverletzungen und -gefangenschaft.

Tipps für ein langes Leben könne er nicht geben. „Ich kann’s dir nicht sagen.“ Mäßigung vielleicht. Er habe nie geraucht und wusste beim Feiern stets, wann es Zeit war aufzuhören. Auch Fitness spielte eine Rolle in seinem Leben. Er war leidenschaftlicher Tennisspieler und frönte die exquisite Sportart Wasserski. „Den Club habe ich mitgegründet und wir sind so lange Wasserski auf der Fulda gefahren – mit Sprungschanze – bis die Angler uns vertrieben haben und wir an den Edersee gingen.“ Sport, räsoniert Börger, sei Lebensfreude. Und Humor. Seine Tochter (73) rufe ihn täglich an und erzähle ihm jedes Mal einen neuen Witz.

Erst seit einem Jahr lebt Heinz Börger im Haus Salem Agaplesion Diakonie Kliniken zur Pflege. Er fühle sich gut und frei, sagt er. In seinem Zimmer steht ein ausgeliehener Scooter, mit dem er – in Begleitung – Ausflüge in den nahen Park mache.

„Schickst du mir das Foto?“, fragt er und rasselt eine zwölfstellige Handynummer herunter. „Die habe ich im Kopf“, sagt er und grinst wie ein Schlaufuchs.

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