Hans Germandi stellt Privatarchiv für digitale Unibibliothek zur Verfügung

Kassel. Die Schätze in der Murhardschen Bibliothek haben einen Wert von 200 Millionen Euro. Dokumente wie das Hildebrandlied aus dem 9. Jahrhundert sind unbezahlbar. Das gilt auch für das historische Erbe Kassels, das hier durch zahlreiche Bürgerstiftungen beherbergt ist.

Dazu gehören Fotos, die das alte Kassel vor der Zerstörung am 22. Oktober 1943 zeigen. Diese umfangreiche Sammlung wurde jetzt durch das komplette Privatarchiv von Hans Germandi erweitert. Der 85-jährige Kassel-Chronist, der für seine Verdienste mit dem Wappenring der Stadt ausgezeichnet wurde, hat der Bibliothek 1103 Fotos zur Verfügung gestellt. Und nicht nur das. Auch seine auf DVD aufgezeichneten Diavorträge in der Martinskirche gehören jetzt zum Bestand der Murhardschen Bibliothek.

http://orka.bibliothek.uni-kassel.de

„Wir sichern dieses Material, es wird auch in 100 Jahren noch verfügbar sein“, sagt Dr. Axel Halle, der Leiter der Kasseler Universitätsbibliothek. Die stellt ab sofort historische Fotos, Handschriften und andere Dokumente kostenlos und für jedermann zugänglich ins Internet. Ein Fundus, der Tag für Tag wächst. „Wir fühlen uns dem historischen Erbe der Region verpflichtet“, sagt Halle. Für lokalhistorisch Interessierte ist das Angebot ebenso gedacht wie für die Wissenschaft.

Alles über Hans Germandi im RegioWiki

Die beiden Seiten des Hildebrandliedes zum Beispiel kann man von überall auf der Welt einsehen. Und zwar in einer beeindruckenden Qualität mit Vergrößerungsmöglichkeiten, die selbst die Struktur des Papiers erkennen lassen.

Schon 8000 Dokumente

Feierstunde im Eulensaal: Hans Germandi (links im Bild) hat sein Privatarchiv der Murhardschen Bibliothek geschenkt. Das Material werde gesichert und „auch in 100 Jahren noch verfügbar sein“, sagt Dr. Axel Halle, der Leiter der Kasseler Unibibliothek.

Mehr als 8000 Dokumente, einige mit mehreren 100 Blättern, haben die Mitarbeiter der Universitätsbibliothek bislang eingescannt und verschlagwortet. Bei den wertvollsten Dokumenten hat man auf das Göttinger Digitalisierungs-Zentrum zurückgegriffen. Hier werden die Blätter ohne Berührung durch einen Luftstrom angesaugt und dann kopiert. Denn auch das ist ein Ziel des digitalen Archiv-Portals: Die Originale sollen geschont werden und trotzdem zugänglich sein.

Alle Medien sind am Bildschirm in einer hohen Auflösung und deshalb stark vergrößerbar vorhanden. Wer Fotos für kommerzielle Zwecke nutzen will, muss das anmelden. Die Bilder vom Bildschirm sind für Fotobände nicht geeignet. „Wir helfen aber gern weiter und suchen noch Sponsoren für unser Archiv“, sagt Dr. Helge Steenweg, der stellvertretende Bibliotheksleiter.

Hans Germandi ist froh, dass sein Vermächtnis in guten Händen ist. „Wer weiß, wie lange ich die Erinnerung noch wachhalten kann“, sagt er. Durch die Bibliothek sei sein Erbe auch für die Nachwelt erlebbar. Seine Diavorträge mit Originalkommentaren werden im Moment noch für das Archiv digitalisiert.

Alle 10.000 Handschriften und viele weitere Dokumente der Murhardschen Bibliothek sollen in den nächsten Jahren hinzukommen.

Von Thomas Siemon

Rubriklistenbild: © Herzog

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