Der Mann der tausend Jobs

Adieu Stadt, hallo KSV: Hans-Jochem Weikert verlässt das Rathaus

Beendet heute seine berufliche Laufbahn im Kasseler Rathaus: Hans-Jochem Weikert (67). Archivfoto: Koch

Kassel. Vermutlich kennt er Kassel besser als seine eigene Hosentasche. Tatsache ist, dass für nicht gezählte Menschen jahrzehntelang die Devise galt: Wenn etwas in Kassel zu regeln ist, frag ihn.

Hans-Jochem Weikert (67), der am Freitag seine berufliche Laufbahn im Rathaus beendet, ist ein Mann der tausend Jobs. Er war Chef des Haupt- und Bürgeramtes, Pressesprecher, Organisator der 1100-Jahr-Feier, Geschäftsführer der Kassel-Service GmbH, Vermarkter des Auestadions und - so etwas gab es tatsächlich - China-Beauftragter der Stadt. Wir sind sicher, dass diese Aufzählung unvollständig ist.

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Vor allem war und ist Hans-Jochem Weikert ein Menschenfänger - im positiven Sinn. Einer, der mit fast jedem konnte und kann, der Probleme charmant wegplaudert. Wer Weikert noch nicht erlebte, wie er Witze erzählt und das zu einer schauspielerischen Glanzleistung ausweitet, wie er als Mann der vielen Dialekte überrascht, hat etwas versäumt.

Hans-Jochem Weikert ist ein begeisterter Kasseler. Er wurde als nicht eheliches Besatzungskind in einem Reiheneckhäuschen in der Lossesiedlung in Bettenhausen geboren und wuchs dort auch auf. Fußball spielte er in Straßenschuhen auf dem Gelände der alten Spinnfaser in der Lilienthalstraße auf Ascheplätzen. Zur Friedrich-Wöhler-Schule in der Tischbeinstraße ging’s im Winter mit der Straßenbahn, im Sommer quer durch die Aue mit dem Fahrrad. Seine erste Freundin stammte aus der Nachbarschaft - geknutscht wurde im nahen Eichwald. Am Südhang, mitten im Wald, ist auch heute noch sein Lieblingsplatz. Wer viel macht, macht auch einige Fehler. Und hat Kritiker. Nicht alles lief glatt in Weikerts Karriere. Aus seinem Job als Chef von Kassel-Service flog er und landete doch wieder weich bei der Stadt. Offensichtlich konnte und wollte man auf Hans-Jochem Weikert auch als Mann hinter den Kulissen, als mannigfach einsetzbaren Strippenzieher, nicht verzichten.

Insofern ist er auch ein Stehaufmännchen. Als Beispiel mag dafür seine ehrenamtliche Karriere beim KSV Hessen gelten. Weikert war Vorsitzender des KSV-Beirats, als er 2011 in einem Vorwort für das Stadionheft „Hessenlöwe“ harte Kritik am Verein und am Trainer äußerte. Das Vorwort flog raus, Weikert sprach von Zensur und verkrachte sich mit Vorstand, Management und Aufsichtsrat. Der Hauskrach bei den Löwen war da. Und heute? Heute ist Weikert einer der Chefs des KSV Hessen Kassel.

So wird am Ende alles gut. Und dementsprechend riesengroß wird am Freitag die Schar der Gratulanten sein, die Hans-Jochem Weikert aus dem Berufsleben verabschiedet. Nun hat er Zeit, sich um den KSV zu kümmern. Lustig wird das wohl auch für das sonnige Gemüt Hans-Jochem Weikert nicht.

Weikert in Zahlen

8.8.1946: Geburt

1.4.1963: Auftakt bei der Stadt als Sekretäranwärter. Danach Sachbearbeiter in der Fürsorgestelle für Kriegsopfer. Später Deutschlands erster Referent für Bürgerhilfe.

1977: Vize-Chef des Hauptamtes.

1979: Pressesprecher der Stadt.

1981: Leiter Pressezentrum Bundesgartenschau.

1986: Chef des Pressezentrums der doc 8.

1991: Chef der Tourismus- und Kurzentrale.

1995: Geschäftsführer Kassel Service.

1998: Zuständig für Sonderaufgaben im Dezernat des Oberbürgermeisters.

2006: Stellvertretender Leiter des Hauptamtes und Leiter Büro des Oberbürgermeisters.

2010: Chef des Haupt- und Bürgeramtes.

Weikert ist in zweiter Ehe verheiratet. Aus erster Ehe hat er zwei Töchter. Er ist Fußballfan, engagiert sich in zahlreichen Vereinen und Verbänden, in der Gewerkschaft und der SPD.

Von Frank Thonicke

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