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30 Quadratmeter Weltpremiere an der Ernst-Leinius-Schule in Harleshausen

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Von: Andreas Hermann

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Zimmerermeister Jürgen Langhuth von gleichnamigen Lohfeldener Holzbau-Firma auf der Harleshäuser Baustelle.
Erstellt mit seinem Team den Holzrohbau für die Ernst-Leinius-Schule innerhalb weniger Tage: Zimmerermeister Jürgen Langhuth von der gleichnamigen Lohfeldener Holzbau-Firma auf der Harleshäuser Baustelle. © Andreas Fischer

Stadt und Uni Kassel testen in der Ernst-Leinius-Schule in Harleshausen weltweit neuen Holz-Beton-Verbund.

Harleshausen – Der zweigeschossige Neubau an der Ernst-Leinius-Schule in Harleshausen kommt rasch in Form. Nachdem im Herbst die für die Technik benötigte Teilunterkellerung und die Bodenplatte in Stahlbeton errichtet wurden, hat am Montag der Rohbau begonnen, der innerhalb von nur zwei Wochen fertig sein soll.

Das geht deshalb so schnell, weil der Grundschulneubau an sich schon eine Besonderheit darstellt. Ist es doch der erste, den die Stadt Kassel in massiver Holzbauweise errichten lässt. Eine weitere Besonderheit dieses Neubaus haben Stadt und Universität Kassel jetzt als „Weltpremiere“ vorgestellt. Auf einer Fläche von 30 Quadratmetern, einem Teilbereich der Decke, wird erstmalig eine in acht Jahren Laborarbeit von der Uni entwickelte Holz-Beton-Verbundbauweise in der Praxis erprobt.

Es handelt sich um eine geklebte Holz-Beton-Konstruktion, die am Fachgebiet Bauwerkserhaltung und Holzbau entwickelt und durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert worden ist. Zu den Vorteilen erklärte Prof. Werner Seim, der die Praxisanwendung mit seinem Mitarbeiter Jens Frohmüller vorbereitet hat: „Bisher wird bei der Herstellung von Holz-Beton-Verbunddecken der Beton auf der Baustelle mit dem Mischfahrzeug angeliefert und als Ortbeton – also als flüssige Masse – vergossen. Dadurch gehen die Vorteile des Holzbaus teilweise wieder verloren.“

Das neue Verfahren sei entwickelt worden, um künftig auf der Baustelle keinen Ortbeton, sondern Stahlbetonfertigteile verwenden zu können. Diese würden in der Werkhalle produziert und mit dem Lastwagen direkt zur Baustelle transportiert. Dort könnten die Fertigteile dann mit den bereits montierten Holzbauteilen verklebt werden.

Nach Angaben von Stadt und Uni kombinieren Verbundbauteile aus Holz und Beton die Vorteile beider Werkstoffe: Holz biete eine hohe Tragfähigkeit bei geringem Gewicht. Die Masse des Betons verbessere den Schallschutz und das Schwingungsverhalten. „Diese Vorteile kommen besonders gut bei Deckenkonstruktionen zum Tragen, da so ein erheblicher Anteil des klimaschädlichen Betons eingespart wird.“

Das sei „die weltweit erste Anwendung“ und „ein entscheidender Schritt“, freute sich Seim über die Harleshäuser Testfläche. Sie soll nun wissenschaftlich begleitet und über die nächsten Jahre mit besonderen Messverfahren beobachtet werden. Seim sprach von einer „unglaublichen Geschwindigkeit“, mit der das Massiv-Holz-Gebäude wachse. Das erspare rund 90 Prozent der sonst – also bei Errichtung Stein auf Stein – benötigten Rohbauzeit.

Die in Süddeutschland hergestellten Wandelemente für das Erdgeschoss sind erst Anfang der Woche in Harleshausen angeliefert worden. Die

Zimmerei Langhuth (Lohfelden) hat bereits in fünf Tagen das Erdgeschoss einschließlich der Deckenelemente errichtet. In zwei Wochen soll der „Holzrohbau“ komplett montiert sein.

Froh über die Kooperation der Stadt mit der Universität zeigte sich Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Ziel sei es, die Qualität und Nachhaltigkeit des modernen Holzbaues weiter zu optimieren. Das „Know-how aus Kassel“, das bei diesem Projekt gewonnen werde, solle anderen zur Verfügung gestellt werden.

Manfred Lenhart vom Kasseler Büro Baufrösche ist der verantwortliche Architekt für den besondern Erweiterungsbau an der Ernst-Leinius-Schule. „Im modernen Holzbau steckt viel Potenzial“, meinte Lenhart. „Wir freuen uns als Architekten, an der Weiterentwicklung teilzuhaben.“

Die Ernst-Leinius-Schule an der Wolfhager Straße in Harleshausen wurde 1960 errichtet. Zur Ausweiterung der Ganztagsangebote sollen bis Mitte 2023 ein zweigeschossiger Massivholz-Neubau und eine Erweiterung der Mensa fertiggestellt werden. Die Stadt Kassel kündigt eine „Clusterschule mit offener Lernlandschaft und themenbezogenen Lernräumen“ an. Die Grundschulerweiterung umfasst rund 3000 Quadratmeter. Geschätzte Kosten: über zehn Millionen Euro. 

(Andreas Hermann)

Auf der Testfläche: (von links) Stadtbaurat Christof Nolda, Werner Seim und Architekt Manfred Lenhart.
Auf der Testfläche: (von links) Stadtbaurat Christof Nolda, Werner Seim und Architekt Manfred Lenhart. © Andreas Fischer

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