Förderfähigkeit

Ministerium weckt Hoffnung für neue Kasseler Straßenbahn-Linie nach Harleshausen

Varianten der Trassenführung für eine Tram-Linie nach Harleshausen.
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Ortskern oder Ahnatalstraße? Holländischer Platz oder Reuterstraße? Unsere Grafik zeigt die in der Machbarkeitsstudie untersuchten Hauptvarianten für eine Straßenbahntrasse zwischen Harleshausen und Kasseler Innenstadt.

Die Förderfähigkeit des Steckenausbaues bleibt abzuwarten. Auf welchen Trassen die Straßenbahn nach Harleshausen rollen könnte und sollte, dazu liefert die Machbarkeitsstudie nun erste Erkenntnisse.

Kassel - Könnte es doch Geld von Bund und Land Hessen für die Straßenbahn-Linie bis nach Harleshausen geben? Das Bundesverkehrsministerium weckt neue Hoffnung auf eine Förderung für den geplanten Streckenausbau in den Kasseler Nordwesten.

Demnach soll die Überarbeitung des Bewertungsverfahrens für ÖPNV-Projekte noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Mit den neuen Grundsätzen würden „bestmögliche Voraussetzungen“ zur Förderung durch das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz geschaffen. „Dies könnte auch für die Verlängerung der Kasseler Straßenbahn von Bedeutung sein, um eine anteilige Finanzierung zu erreichen“, hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf Anfrage des SPD-Bundestagsabgeordneten Timon Gremmels mitteilen lassen.

Wie berichtet, kommt die im Auftrag der KVG erstellte Machbarkeitsstudie zu dem Ergebnis, dass der über 100 Millionen Euro teure Ausbau bislang nicht förderfähig ist. Die Gutachter errechneten bei der Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) einen Wert von 0,2. Für eine Förderung ist bisher jedoch ein Wert ab 1,0 die Voraussetzung.

In Zukunft sollen bei der Bewertung von ÖPNV-Vorhaben die Faktoren Klima- und Umweltschutz, Verkehrsverlagerung sowie Aspekte der Daseinsvorsorge eine stärkere Gewichtung erfahren, kündigt das Ministerium an. „Die Grundsätze stärken daher Schienenvorhaben, die der Verkehrsverlagerung und der Nachhaltigkeit im Verkehr dienen, vor allem im Hinblick auf die erklärten Klimaziele.“ Die Grundsätze seien die Basis für das neue Berechnungsverfahren und könnten schon jetzt bei der Planung von Projekten zugrunde gelegt werden.

Auf die Neubewertung setzen auch Stadt und KVG. „Wir sind zuversichtlich, dass die Voraussetzungen für die Fördermöglichkeiten durch die Bundes- und Landespolitik schon im kommenden Jahr deutlich verbessert werden und wir dieses Großprojekt verwirklichen können“, sagen Oberbürgermeister Christian Geselle sowie die KVG-Vorstände Michael Maxelon und Olaf Hornfeck.

Ausdrücklich erwähne der Verkehrsminister, dass sich das neue Bewertungsverfahren positiv auf die Straßenbahn nach Harleshausen auswirken könne, unterstreicht Timon Gremmels. „Wenn die neuen Kriterien in Kraft sind, bin ich zuversichtlich, dass eine erneute Prüfung des Projekts hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit positiv ausfallen wird.“

Wenn auch nur in kurzer Form, aber immerhin: Teile der im Vorfeld viel diskutierten Machbarkeitsstudie „Tram Harleshausen“ hat die KVG nun im Internet veröffentlicht (kvg.de/unternehmen/nahverkehrsplan). Das Unternehmen kommt damit Forderungen von Parteien und Initiativen zur Offenlegung nach, wenngleich in der Kurzfassung Fragen nach der Finanzier- und Förderfähigkeit offen bleiben. Den Investitionsbedarf für die Tram-Linie schätzt die Studie auf bis zu 104 Millionen Euro.

Deutlich wird, auf welchen Trassen die Straßenbahn von der Innenstadt nach Harleshausen rollen könnte. Zwar stellen die Gutachter klar, dass es sich um keine endgültige Festlegung handele. Alle untersuchten Varianten führen aber über die Wolfhager Straße und durch Rothenditmold. „Die Trassenführung über Kirchditmold wurde nicht weiterverfolgt, da das Nachfragepotenzial in Rothenditmold damit nicht erschlossen werden kann“, heißt es in der Studie. Und: „Für die Trassenführung in der Wolfhager Straße konnte keine sinnvolle Alternative gefunden werden.“

Nachfolgend die Vor- und Nachteile der in der Studie untersuchten und bewerteten Trassen im Überblick:

Die Varianten für die Straßenbahn nach Harleshausen

Insgesamt wurden zwölf Trassenvarianten untersucht. Nach Berechnungen sind mit ihnen zwischen 2500 und 3600 zusätzliche Tram-Fahrgäste pro Werktag und Mehrerlöse von rund einer Million Euro pro Jahr zu erwarten. Klar ist auch: Durch die neue Linie wird sich das KVG-Betriebsdefizit weiter erhöhen.

Die Gutachter untergliedern in drei Bereiche: die Innenstadtanbindung zwischen Stern und Knoten Reuterstraße/Wolfhager Straße, die weitere Wolfhager Straße bis Haroldplatz und die Erschließung in Harleshausen.

Wolfhager Straße könnte Probleme bereiten

Konfliktpotenzial sieht die Studie bei der Wolfhager Straße vor allem durch die gemeinsame Nutzung und ihre Funktion als überregionaler Verkehrsweg. Probleme werden etwa durch den geringen Querschnitt zwischen August-Bode- und Gelnhäuser Straße sowie im Bereich Drei Brücken entstehen.

Innenstadt-Anbindung

Folgende Hauptvarianten benennt die Studie zur Anbindung der Innenstadt an die Tram-Verbindung: Über Holländischen Platz (grüne Linie in der Grafik):

  • hohe Nachfrage durch Erschließung wichtiger „Points of Interest“
  • hohe Komplexität zur Verkehrsabwicklung am Holländischen Platz und zur Integration in Wolfhager Straße
  • hohe Investitionskosten und hohes verkehrliches Konfliktpotenzial

Über Reuterstraße (blaue Linie in der Grafik):

  • leicht geringere Nachfrage
  • Nutzung vorhandener Trassen und Haltestellen
  • geringere Komplexität zur Verkehrsabwicklung
  • geringere Investitionskosten und geringeres verkehrliches Konfliktpotenzial

Das Fazit der Gutachter: Es gibtkeine eindeutige Vorzugsvariante.

Stadtteil-Anbindung mit der Straßenbahn

Zur Anbindung der Tram in Harleshausen sieht die Studie drei Hauptvarianten vor: Linienführung ab Haroldplatz durch Ahnatalstraße bis etwa Höhe Seebergstraße (lila Linie in der Grafik):

  • dichte Wohnbereiche, wenige „Points of Interest“
  • konfliktärmster Korridor hinsichtlich Verkehr und Lärmschutz
  • gutes Verhältnis von Nutzen zu Herstellungskosten
  • beste Potenziale für Fahrzeitverkürzungen

Führung über Wolfhager Straße bis Freibad (orangene Linie in der Grafik):

  • Erschließung des Ortskerns mit vielen „Points of Interest“ und verdichteter Bebauung
  • hohes Konfliktpotenzial wegen engen Straßenraums
  • große Herausforderungen zur Verkehrsabwicklung am Knotenpunkt Wolfhager Straße/Obervellmarer Straße

Führung ab Haroldplatz über Ahnatalstraße, Harleshäuser Straße und Wolfhager Straße bis Freibad (gelbe Linie in der Grafik):

  • optimierte Erschließung
  • hohe Komplexität zur Verkehrsabwicklung an den Knoten Wolfhager Straße/Harleshäuser Straße/Ahnatalstraße sowie im Ortskern
  • enge Kurvenradien

Das Fazit der Gutachter: Es gibt keine Vorzugsvariante, auch wenn sich eine Tendenz zu Variante 1 zu ergeben scheint. (Andreas Hermann)

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