Wanderweg im Habichtswald

Kasseler Blindenpfad: das Geländer bleibt, die Hinweise darauf sollen weg

Petent Per Busch und Vertreter der beteiligten Institutionen auf dem Blindenpfad im Habichtswald.
+
Erklärte die Funktion der Orientierungshilfe für Blinde: Petent Per Busch. Im Hintergrund Vertreter der beteiligten Institutionen, links der SPD-Landtagsabgeordnete Oliver Ulloth, Berichterstatter des Petitionsausschusses.

Der Blindenpfad im Habichtswald soll seinen Namen verlieren, das Geländer als Orientierungshilfe aber behalten. Das kündigte das Umweltministerium bei einem Besuch des Petitionsausschusses an.

Kassel/Harleshausen – Überraschende Wende für den Blindenwanderweg im Naturpark Habichtswald: Das hölzerne Geländer, die Orientierungshilfe für blinde und sehbehinderte Menschen, soll nun doch erhalten und instandgesetzt werden. Das hat Uwe Schmal, Referatsleiter im Hessischen Umweltministerium, jetzt bei der Besichtigung des Pfades durch Mitglieder des Landtags-Petitionsausschusses sowie Vertreter vieler anderer beteiligter Institutionen klargestellt.

Bislang schien der Abbau des Blindenpfades in Harleshausen beschlossene Sache. Wie berichtet, hatte im Jahr 2020 der für die Unterhaltung zuständige Naturpark Habichtswald bereits Teile des Geländers abgebaut. Mit Verweis auf die durch Klimawandel und Trockenheit geschädigten Bäume sowie die größeren Gefahren für Wanderer hatten Naturpark, Hessen Forst und Stadt Kassel bisher stets argumentiert, die verschärften Verkehrssicherungspflichten für den Blindenpfad könnten nicht mehr übernommen werden. Das Risiko, rechtlich haftbar gemacht zu werden, sei zu groß. Der Aufwand, den Pfad jederzeit sicher zu halten, sei nicht leistbar, hieß es.

Gegen den Abbau der Orientierungshilfen hatte der Harleshäuser Per Busch Protest eingelegt. Der Blinde nutzt den Pfad seit 2001. Mit der Klarstellung des Ministeriums scheint die auch von ihm angestrengte Petition nun zum Erfolg zu führen.

Über die am Dienstag getroffenen Vereinbarungen wird der Petitionsausschuss in seiner nächsten Sitzung informieren. Im Anschluss werde darüber der Landtag beschließen, kündigte Per Busch gegenüber unserer Zeitung an. Als Petent ist er der einzige Teilnehmer, der über die in nicht-öffentlicher Sitzung getroffenen Vereinbarungen Auskunft geben darf.

„Das für mich wichtigste Ergebnis ist, dass die Orientierungshilfe künftig als Wegmarkierung gilt und nicht mehr als Erholungseinrichtung. Das heißt, dass wegen ihr kein einziger Baum gefällt werden muss“, sagte Per Busch. Das Ministerium habe den langfristigen Erhalt des Geländers zugesichert.

Wegen der Frage der Verkehrssicherungspflicht soll der Harleshäuser Blindenpfad, 1974 als bundesweit erster Waldwander-, Waldlehr- und Gymnastikpfad für Blinde und Sehende angelegt, künftig nicht mehr als solcher bezeichnet und beworben werden. Alle Hinweise darauf sollen weg, er soll nur noch ein normaler Rundwanderweg mit einer ertastbaren Wegmarkierung sein.

Sorge bereitet Busch die Ankündigung des Forstamtes, stark geschädigte Bäume entlang des Pfades entnehmen zu wollen. Das müsse sein, weil sie eine Gefahr für alle Spaziergänger darstellten, und habe nichts mit der Orientierungshilfe zu tun, betont Busch. „Ich wollte nie, dass wegen meines Engagements auch nur ein einziger Baum gefällt wird.“

(Andreas Hermann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.