Gemeinschaftliches Wohnprojekt

Genossenschaft strebt ein Zuhause für alle Lebenslagen in Kassel an

Das 4000 Quadratmeter große Grundstück im Harleshäuser Neubaugebiet „Zum Feldlager“.
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Der Standort: Auf diesem 4000 Quadratmeter großen Grundstück im Harleshäuser Neubaugebiet „Zum Feldlager“ soll das Wohnprojekt realisiert werden.

Ein gemeinschaftliches Wohnprojekt mit flexiblen Hybridhäusern plant die Genossenschaft „Kassel im Wandel“ im Harleshäuser Neubaugebiet. Im Spätsommer soll der Bau starten.

Harleshausen - Seit 2011 haben sie in Kassel nach einem Standort gesucht, im Harleshäuser Neubaugebiet „Zum Feldlager“ haben sie ihn gefunden: Auf einem rund 4000 Quadratmeter großen Grundstück soll sich dort für etwa 50 Bewohner der Traum vom gemeinschaftlichen und generationsübergreifenden Leben und Arbeiten erfüllen.Geplant sind drei Gebäude, eine Mischung aus Mehrfamilienhaus und Reihenhäusern, erklärt Architekt Christoph Harney. Die Arbeiten für die Reihenhäuser, für den ersten und rund vier Millionen Euro teuren Bauabschnitt, sollen im Spätsommer beginnen. Das Grundstück dafür ist gekauft, die zwölf darin vorgesehenen Wohneinheiten sind bereits vergeben. 18 Menschen sollen nächstes Jahr dort einziehen können.

Bauherrin ist die Genossenschaft „Kassel im Wandel“. In ihr haben sich Menschen zusammengeschlossen, die einerseits ihre eigene abgeschlossene Wohnung haben wollen, sich andererseits aber das Leben in einer Gemeinschaft wünschen, betonen Eva-Maria Gent, Gabriele Hauenstein und Stefan Fydrich vom Vorstand der Genossenschaft. Alle drei wollen ihre bisherigen Häuser aufgeben und mit in den ersten Neubau einziehen.

Durch das Prinzip sogenannter Hybridhäuser sollen die Bewohner ein Zuhause für alle ihre Lebenslagen finden. Je nach Bedarf können Wohneinheiten abgetrennt und wieder geöffnet, zusammengeschlossen oder vereinzelt werden. Für eine junge Familie zum Beispiel soll die Wohnung vergrößert werden können. Für Senioren soll sie verkleinert werden können, wenn die Kinder groß sind und eigene Wege gehen.

Eine weitere Besonderheit macht das Vorhaben zu einem vom Land Hessen anerkannten Modellprojekt: Die Mitglieder bringen Kapital in die Genossenschaft ein, die Wohnungen sollen kostendeckend („ohne Zugewinn“) vermietet werden – und zwar an Mieter mit und ohne Geld, wie Architekt Harney erläutert. Förderfähige Bereiche würden dazu in größere Wohnungen zusammengefasst, sodass Menschen mit und ohne Wohnberechtigungsschein in einer Wohnung leben könnten. Sozialer Mietwohnungsbau und freier Wohnungsbau würden so miteinander vereint. Bislang sei das nach den Förderungen und Vorschriften nicht möglich gewesen, betont Mitgründerin Eva-Maria Gent.

Geplant ist eine ökologische Bauweise. Im Staffelgeschoss der Reihenhäuser etwa ist ein Strohballenbau mit Lehmputz und Wandheizung vorgesehen. Alle Häuser werden mit Fernwärme versorgt.

„Wir freuen uns schon auf den Einzug“, sagen Regina und Alfred Schnegelberger. Mit Tochter Raja (vier Monate) werden sie eine 75 Quadratmeter große Wohnung beziehen. Und haben die Option, diese auf 90 Quadratmeter vergrößern zu können, wenn sich etwa ein Geschwisterchen ankündigt.

Für die beiden weiteren Mehrfamilienhäuser sucht die Genossenschaft noch Menschen, die in einer sich unterstützenden, aber nicht zu engen Gemeinschaft leben wollen.

Kontakt: kassel-im-wandel.de

Die Genossenschaft „Kassel im Wandel“ wurde 2012 gegründet und zählt mehr als 80 Mitglieder. Ein Geschäftsanteil kostet 250 Euro. Laut Satzung hat jedes Mitglied, dem Wohnraum überlassen wird, „einen angemessenen Beitrag zur Genossenschaft zu leisten“, etwa durch Übernahme weiterer Geschäftsanteile. Genaueres regele der Vorstand für das jeweilige Objekt. Durch Spenden und Sponsoren kann das Projekt über den „Verein zur Förderung von generationsübergreifendem Leben und Arbeiten“ unterstützt werden. 

(Andreas Hermann)

So soll es werden: Architekt Christoph Harney zeigt ein Holzmodell des Bauvorhabens. Familie Schnegelberger (links) so wie Gabriele Hauenstein und Stefan Fydrich freuen sich bereits auf ihren Einzug voraussichtlich im nächsten Jahr.

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