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Giftige Eiben am Spielplatz Harleshausen: Stadt Kassel sieht keinen Handlungsbedarf

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Von: Andreas Hermann

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Spielplatz-Schild in den Eiben am Spielplatz.
Inmitten der giftigen Nadeln und roten Beeren: das Spielplatz-Schild in den Eiben am Eingang. © Andreas Hermann

Eine Anwohnerin warnt vor der Gefahr für Kinder, die Stadt Kassel will die giftigen Eiben auf dem Spielplatz Harleshausen aber stehen lassen.

Harleshausen – „Sieben große Giftbäume auf dem Spielplatz“: Bestürzt zeigt sich eine Harleshäuserin darüber, dass ihr am Eingang und auf dem Spielplatz an der Niederfeldstraße/Wolfhager Straße mehrere Eiben aufgefallen sind. In einem Schreiben an die Stadt Kassel warnt sie, dass nicht nur die Nadeln giftig sind. „Gerade die roten Beeren laden Kinder zum Naschen ein.

Dass bis jetzt noch kein Kind zu Schaden gekommen ist, gleicht einem Wunder.“ Damit dies nicht noch geschieht, müssten die Bäume auf dem Spielplatz zeitnah beseitigt werden.

Nadeln und zerbissene Samen der Eibe sind giftig, das Schlucken kann für Menschen lebensgefährlich sein (Hintergrund). Grotesk mutet da das Bild der Eiben gleich am Eingang des Harleshäuser Spielplatzes an: Inmitten der giftigen Nadeln und der roten Scheinbeeren, in denen sich der giftige Samen befindet, steht das Spielplatz-Schild.

Vier Wochen nach ihrer Warnung wartet die Anwohnerin noch auf eine Antwort der Stadt. Wegen der Sorge um die Kinder wende sie sich an die HNA, betont die Frau. Auf Anfrage unserer Zeitung hat sich das Umwelt- und Gartenamt nun zu den „Giftbäumen“ auf dem Spielplatz geäußert. Die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf. Die Eiben sollen dort bleiben.

„Die Situation ist dem Umwelt- und Gartenamt bekannt“, erklärt die Stadt. Die Eibe gehöre nicht zu den stark phototoxischen Pflanzen, deren Verwendung auf Spielplätzen unzulässig sei. „Da die Bäume sich außerhalb des Spielbereichs und insbesondere eines Kleinkinderspielbereichs befinden, sind sie an ihrem Standort zu tolerieren.“ DIN-Normen für Spielplätze unterstützten diese Entscheidung.

Tatsächlich gehört die Eibe nicht zu den Giftpflanzen, die nach DIN 18034 auf Spielplätzen verboten sind (Goldregen, Pfaffenhütchen, Seidelbast, Stechpalme). Doch steht die Eibe auf der offiziellen Liste giftiger Pflanzenarten des Bundesumweltministeriums. Sie benennt Pflanzen, die auch bei Aufnahme geringer Mengen an Pflanzenmaterial mittelschwere bis schwere Vergiftungen verursachen können, bei Eiben wird von schweren Fällen ausgegangen. Zu allen betont das Ministerium: „Es wird davor gewarnt, diese Pflanzen an Plätzen anzupflanzen oder aufwachsen zu lassen, die Kindern als Aufenthalts- und Spielort dienen.“

„Glücklicherweise gibt es sehr selten Vergiftungserscheinungen im Zusammenhang mit Pflanzen“, betont die Stadt Kassel und verweist auf Statistiken der Giftinformationszentralen. Zudem stelle die Eibe als Europas älteste heimische Baumgattung „eine Art Methusalem unter den Baumarten“ sowie ein wertvolles Vogelschutz- und Nährgehölz dar. Weil die Eibe in der Roten Liste als „gefährdet“ geführt werde, stehe sie unter einem besonderen Schutz.

Hintergrund: Die Eibe (Taxus baccata) wird in der Fachliteratur als „giftig“ bis „sehr giftig“ beschrieben. Zu den möglichen Folgen von Eibe-Vergiftungen beim Menschen erklärt etwa die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): „Nach dem Herunterschlucken von Nadeln oder zerkauten Samen kann es schon nach etwa einer Stunde zu Übelkeit, Erbrechen und Leibschmerzen kommen, später zu Durchfall, weiten Pupillen und auffallend roten Lippen, in schweren Fällen auch zu Bewusstlosigkeit und Herzrasen; Todesfolge möglich.“ 

(Andreas Hermann)

Spielplatz in Harleshausen
Spielplatz in Harleshausen © HNA-Grafik

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